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apr262012

Sicher am Abgrund: Tipps für Einsteiger auf dem Klettersteig

Sicher am Abgrund: Tipps für Einsteiger auf dem Klettersteig

Ausdauer, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind Grundvoraussetzungen für eine Klettersteigtour. Natürlich spielt aber auch der Sicherheitsaspekt eine tragende Rolle: TATONKA verrät dir, worauf es bei deinen sportlichen Höhenmärschen ankommt und worauf du bei deiner Vorbereitung und deiner Ausrüstung unbedingt achten solltest.

Das Spektrum an Outdoor-Erlebnissen und –Herausforderungen ist selten so vielseitig wie beim Thema Klettersteig: Das Anforderungsprofil kann hier vom bequem gesicherten Höhenweg bis hin zu überhängenden Felswänden reichen, die nur von Kletterexperten bewältigt werden können. Für die Planung sind der Schwierigkeitsgrad und der Charakter eines Klettersteigs entscheidend. Eines darf jedoch in keinem Fall zu kurz kommen: Die Sicherheit. Gute Vorbereitung und funktionale Ausrüstung sind das A und O.

Höhenflüge in unterschiedlichsten Schwierigkeitsgraden
 
Leider gibt es keine einheitlich anerkannte Skala, anhand derer die Schwierigkeitsstufen der verschiedenen Klettersteige kategorisiert werden können. Am weitesten verbreitet ist aber die Buchstabenskala von A bis F:

A bezeichnet einfache, gesicherte Steige, die größtenteils im gemäßigt steilen Gelände verlaufen und mit Leitern und Eisenklammern ausgestattet sind. Als Handlauf finden sich hier oft Stahlseile und Geländer. Bei Klettersteigen der A-Kategorie sind auch die ausgesetzten Passagen einfach zu begehen, die Tritte und Griffe sind bequem zu erreichen. Trittsicher und schwindelfrei sollten die Klettersteiggeher aber selbstverständlich sein. A-Klettersteige eignen sich für Jugendliche und Anfänger sehr gut, um ein Feeling für den Stein und die Bewegung zu bekommen.

Etwas anspruchsvoller, aber noch immer für Einsteiger geeignet, sind Klettersteige der Kategorie B, deren Route über Leitern, Eisenklammern, Trittstifte und Ketten verläuft. Auf die Selbstsicherung sollte hier trotz der nur mäßigen technischen Schwierigkeit nicht verzichtet werden.

Sehr kraftraubend können bereits Klettersteige der Kategorie C sein. Senkrechte oder auch leicht überhängende Leitern und weiter auseinander liegende Griffe und Tritte stellen die Kletterer vor so manche Herausforderung. Man bewegt sich in steilem, teilweise auch sehr steilem Felsgelände und benötigt eine gute Kondition, Ausdauer und Körperbeherrschung, um die Passagen meistern zu können.

Der Buchstabe D markiert sehr schwierige Klettersteige, die durch ausgesetztes, senkrechtes, oft auch überhängendes Felsgelände führen. Da die Steig- und Kletterhilfen oftmals weit auseinander liegen, kann selbst die Umhängung der Sicherungskarabiner mit großer Kraftanstrengung verbunden sein. Klettererfahrung ist hier von Vorteil: Sie hilft, sich kräfteschonend vorwärts zu bewegen und auch natürliche Griffe und Tritte zu benutzen.

An E-Klettersteige sollten sich nur Profis wagen: Sie stellen extrem hohe Ansprüche an Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit und Konzentration. Teilweise ist ein Vorwärtskommen nur durch Reibungskletterei möglich, sprich ein Klettern ohne Griffe oder Tritte, nur durch Kontakt der Handflächen und Füße mit dem Fels.

Das Non-Plus-Ultra an Anstrengung, Ausgesetztheit und Herausforderung stellen Klettersteige der Kategorie F. Dieses Gelände ist größtenteils überhängend und ermöglicht ein Vorwärtskommen nur über sehr kleine Tritte oder Reibungskletterei. Eine gute Kondition und fundierte Klettererfahrung, perfekte Körperbeherrschung und absolute Konzentration sind hier Grundvoraussetzungen, um dieses vertikale Abenteuer meistern zu können. Zusätzlich zur obligatorischen Klettersteigausrüstung ist zusätzliche eine Seil-Sicherung von ca 15m Länge empfehlenswert. Im Alpenraum sind bislang nur zwei Klettersteige der Kategorie F zu finden – die Bürgeralm und der österreichische Postalm-Klettersteig.

Ein guter Tipp, um den Schwierigkeitsgrad und die Etappen eines Klettersteigs vorab besser einschätzen zu können, ist die Website www.klettersteig.de

Ausrüstung und Leistung auf höchstem Niveau
 
Die richtige Ausrüstung spielt für eine erfolgreiche und sichere Klettersteigtour eine tragende Rolle. Wer leichtsinnig ohne das geeignete Equipment in die Wand steigt, geht ein lebensgefährliches Risiko ein. Generell kommt man auf dem Klettersteig am kräfteschonendsten und sichersten mit der Drei-Punkte-Regel aus dem Klettersport nach oben: Auf drei Punkten sollte man sicheren Halt haben und aus diesem stabilen Stand heraus immer nur einen Fuß bzw. eine Hand zum nächsten Tritt oder Griff führen.

Herzstück der Ausrüstung ist das Klettersteigset: Moderne Y-Klettersteigsets bieten die höchsten Sicherheitsvorkehrungen. Sie besitzen zwei Karabiner, die nach einander ins Seil eingehängt werden. Auf dem Steig sollte man vor dem Umhängen der Karabiner auf einen sicheren Stand achten und darauf, dass der Aus- und Einhängepunkt gut erreichbar ist. Die Haken werden nacheinander umgehängt, so dass die Sicherung zumindest mit einem Karabinerhaken jederzeit gewährleistet ist. Die beiden speziellen Karabiner verfügen über einen automatischen Verschluss und sind äußerst belastbar und strapazierfähig. Im Zusammenspiel mit den beiden Seilschwänzen und der dynamischen Bremse helfen sie, das Verletzungsrisiko im Falle eines Sturzes so gering wie möglich zu halten. Der Anseilgurt besteht im besten Falle aus einer Kombination aus Sitz- und Brustgurt: Er sitzt bequem und kann einfach an- und abgelegt werden.

Handschuhe gehören bei jeder Klettersteigtour ins Gepäck. Sie sollten gut gepolstert und an der Handinnenseite aus robustem Leder gefertigt sein, um die Hände vor Abschürfungen, Schwielen und Blasen zu schützen und zusätzlich sicheren Halt zu bieten. Unverzichtbar und in vielen Fällen lebensrettend ist der spezielle Kletterhelm, der die Wucht eines Steinschlags reduzieren und den Kopf im Falle eines Sturzes schützen soll.  

Auf Klettersteigen ist das passende Schuhwerk unverzichtbar. Auf leichten Klettersteigen kann man auf Lighthiker zurückgreifen, die über eine stabile Sohlenkonstruktion verfügen. Halt und Schutz gewähren Schuhe mit knöchelhohem, gepolstertem Schaft. Auf langen, schwierigen Touren, die etappenweise ohne künstliche Kletter- und Tritthilfen auskommen, bewähren sich spezielle Klettersteigschuhe mit einer so genannten „Climbing Zone“, einem nicht profilierten Sohlenstück im Vorfußbereich. Ihre Sohlen sind so griffig und rutschfest geformt, dass der Träger auch auf den kleinsten Tritten noch sicheren Halt finden kann.


10 Regeln für den Klettersteig, die du unbedingt beachten solltest
 
1.      
Orientiere dich bei der Tourenplanung unbedingt an deinem Können und deiner Kondition. Bei Gruppen gibt der „Schwächste“ den Takt und die Strecke vor.

2.
Vor Antritt der Tour solltest du dich unbedingt über die Wetteraussichten informieren und deine Tour entsprechend planen. Brich unbedingt frühzeitig auf.

3.      
Ein einfaches „Aussteigen“ bei schwindender Kraft oder unsicherem Wetter ist auf vielen Klettersteigen nicht möglich: Überschätze dich deshalb nicht und informiere dich vorab, ob es auf deiner Tour „Notausgänge“ gibt, damit du die Tour im Notfall verkürzen kannst.

4.      
Sicherheit ist bei einer Klettersteigtour das A und O: Helm, Anseilgurt und Klettersteigset sind unverzichtbar. Auch während der Pausen solltest du den Helm tragen, um bei einem eventuellen leichten Steinschlag Schutz zu haben. Wanderschuhe sollten unbedingt knöchelhoch sein und dir bequemen Halt und Stabilität bieten.

5.      
Auf einer Klettersteigtour solltest du nur das Nötigste mitnehmen. In dein Gepäck gehören aber auf alle Fälle ein First-Aid-Kit, Wetterschutz, Getränk und energiereiche Nahrung wie Nüsse, Trockenfrüchte und Energieriegel, auf die man auch auf dem Steig leicht zugreifen kann. Sonnenbrille, Stirnlampe, Karte und Höhenmesser zählen ebenfalls zur Grundausstattung.

6.      
Das Drahtseil am Klettersteig dient vorrangig der Sicherung, es sollte nicht unnötig auf Zug belastet werden. Benutze unbedingt auch natürliche Griffe und Tritte im Stein und achte darauf, dass ein Seilabschnitt sicherheitshalber immer nur von einem Bergsteiger benutzt werden darf.

7.      
Auch Drahtseile und Verankerungen können ihre Tücken haben, beschädigt oder locker sein. Melde solche defekten Sicherungen unbedingt in der Hütte, bei der Bergbahn oder im Tal bei Verkehrsbüro oder Polizei. 

8.      
Auf dem Klettersteig solltest du sorgfältig, aber stetig gehen und Steinschlag vermeiden.

9.      
Behalte auch während der Klettersteigtour das Wetter stets im Auge. Entferne dich bei einem heranziehenden Gewitter so schnell wie möglich von Graten und Eisenteilen, die den Blitz anlocken und ableiten könnten. Hier herrscht höchste Lebensgefahr!

10.  
Bei einem plötzlichen Wettersturz solltest du rechtzeitig umdrehen – auch wenn der Klettersteig vermeintlich leicht ist.


Verlässliche Aussagen über das Wetter erhaltet ihr unter www.alpenverein.de bzw. für die Schweiz unter www.meteoschweiz.admin.ch. Für alle Länder könnt ihr euch unter www.meteoblue.com informieren.