Interview mit Dirk Rohrbach
Impressionen, Erfahrungen, Erlebnisse und Tipps & Tricks von der AMERICANA -In 180 Tagen mit dem Rad einmal um die USA
1. Wie kam die Idee zustande in 180 Tagen mit dem Rad einmal um Amerika zu fahren?
Die Idee an sich liegt eigentlich schon sehr lange zurück. Ich war mittlerweile schon 21 Mal in Amerika. Allerdings bin ich auf die klassische und gewöhnliche Art gereist , nämlich mit Mietwagen, Bus und Bahn. Dieses Mal wollte ich das Land und besonders die Menschen anders kennen lernen. Eine Radtour öffnet dir jede Tür, du kommst sehr intensiv mit den Menschen in Kontakt, gerade wenn du alleine unterwegs bist.
2. Nachdem Sie sich für diese Tour fest entschieden haben, muss gut geplant und organisiert werden. Wie geht man bei der Reiseplanung am Besten vor?
Der Zeitpunkt spielt eine wichtige Rolle! Man sollte versuchen nicht nur von der Tour zu sprechen, sondern schnellstmöglich mit der Planung anfangen. Natürlich kommen Gedanken und Ängste mit ins Spiel, - was passiert mit meiner Arbeit, Wohnung und Freunden? Doch das ist schon der erste wichtige Schritt: Nicht zu viele Gedanken machen, denn es wird sich alles ergeben, und zwar immer besser als man denkt! Dann geht das Organisieren los.
Ich habe mir bei dem Konsulat in Frankfurt ein Visum für 180 Tage in Amerika ausstellen lassen, und gleichzeitig einen günstigen Flug gebucht. Die Mitnahme des Fahrrades sollte eigentlich im Preis inbegriffen sein, was sich allerdings am Flughafen als ein Flop entpupte.
Bei der Routenplanung habe ich im Süden angefangen, da es dort eher eben vorwärts geht und ich das Gebiet von früheren Reise schon etwas kenne. Ich habe Kilometer und Zeit ausgerechnet, und darauf geachtet genügend Reservetage und Pausen einzuplanen. Bezüglich Übernachtungen habe ich mir keine wirklichen Gedanken gemacht, erstens hatte ich ja mein Zelt dabei, zweitens konnte ich bei ein paar Freunden schlafen, und drittens habe ich mich auf die Gastfreundschaftlichkeit der Amerikaner verlassen.
3. Was gehört unbedingt ins Reisegepäck und was bleibt daheim?
Also auf jeden Fall mal die Grundausstattung: Zelt, Schlafsack, ausreichend Fotoequipment, Batterien, Erste Hilfe Set, Sonnenschutz, Sonnenbrille, Helm, Handtuch und Kulturbeutel. Bezüglich der Bekleidung kann ich nur sagen: Packe nur das Allernötigste zusammen und wenn du das hast, dann lasse noch mal die Hälfte weg. Mein Gepäck bestand aus ein paar T-Shirts, 3 paar Socken, einer Fleecehose und Fleecejacke, Regenbekleidung und Unterwäsche! Das Wichtigste ist allerdings das Pannen-Set und die dazugehörigen Ersatzteile. Ich hatte 3 Ersatzschläuche, einen Mantel, 4 Speichen, und eine Kette dabei – Insgesamt sind mir allerdings 15 Speichen gebrochen.
Auf jeden Fall gehört noch genügend Trinken und ausreichend Verpflegung mit ins Gepäck.
Den Kocher würde ich beim nächsten Mal daheim lassen, da ich ihn fast nicht benutzt habe.
4. Wie haben Sie sich auf diese Tour vorbereitet?
Ehrlich gesagt habe ich genau zwei Mal eine Stunde auf dem Sattel gesessen, nämlich auf dem Weg zur Arbeit. Durch das Basketballspielen und Joggen habe ich zwar eine gewisse Grundausdauer, das hat aber nichts mit dem Radfahren zu tun. Um mich gut einfahren zu können, habe ich meine Tour bewußt von Süden aus geplant.
5. Warum sind Sie alleine auf Tour gegangen?
Ganz bewusst, denn wenn man alleine reist, geht man auf eine ganz andere Art und Weise auf fremde Leute zu, und man lernt sich selber besser kennen. Gerade wenn man mit dem Rad unterwegs ist, ist man komplett verwundbar, das Gepäck ist offensichtlich. Die Leute begegnen einem mit viel Respekt, auch in Hinsicht auf die körperliche Leistung, und empfangen einen mit offenen Armen.
6. Vor Ort haben Sie eine Menge Leute kennen gelernt, war das purer Zufall, oder sind die Leute in Amerika so freundlich und kontaktfreudig?
Einerseits lag es wohl daran das ich alleine auf dem Rad unterwegs war, andererseits sind die Leute sehr offen und unkompliziert. Die meisten Amerikaner lieben Deutsche und man wird sofort freundlich und sehr nett empfangen. Während der ganzen Reise habe ich nur sehr positive Erfahrungen gesammelt.
7. Sie haben bestimmt einige wunderschöne Eindrücke gesammelt, welche waren die spektakulärsten?
Die verschiedenen Landschaften waren schon sehr spannend und schön:
Im Nord-Westen in den Rocky Mountains habe ich die intensivsten Momente und Augenblicke gehabt. In dieser Umgebung habe ich das erste Mal richtig loslassen können, und habe begriffen, was es heißt sich treiben zu lassen.
In der Wüste gab es auch viele beeindruckende Momente, da die Umgebung so völlig anders und neu ist. Die Wüste ist einfach sehr extrem, sie ist total sauber, trocken und angenehm.
Jedoch am Schönsten waren für mich die sehr intensiven menschlichen Kontakte und Erlebnisse.
8. Gab es auch negative Erfahrungen und wie sind Sie damit umgegangen?
Eigentlich gab es in der ganzen Zeit kein negatives Erlebnis. Das Einzige was aufgefallen ist, waren ein paar Autofahrer die mit einem Fahrradfahrer auf der Straße nichts anfangen konnten, und aus Verzweiflung erst einmal gehupt haben, bevor sie sich dann entschlossen das Überholmanöver zu starten.
Ansonsten gab es noch etwas Gegenwind und ein paar Sturmböen die mir das Vorankommen etwas erschwerten.
9. Haben Sie das Ziel während der Reise einmal vergessen, oder gab es Momente des Zweifels?
Nein eigentlich nicht, allerdings würde ich mir für die nächste Tour mehr Zeit und weniger Kilometer vornehmen, damit mehr passieren kann.
10. So eine Tour bringt einige Erfahrungen mit sich, in welcher Art und Weise hat diese Reise Sie persönlich verändert?
Ich habe erlebt und verstanden, das die schönsten Dinge passieren, wenn man einfach loslässt und nicht versucht Ziele und Pläne krampfhaft umzusetzen. Mein neuer Leitfaden ist von einem japanischen Philosophen aus dem 17. Jahrhundert: Jeder Tag ist eine Reise und die Reise selbst das Zuhause.
11. Gab es Abschiedstränen oder freut man sich nach dieser Zeit wieder auf zu Hause?
Da es so eine tolle, intensive und spannende Zeit war habe ich mich überhaupt nicht auf Deutschland gefreut.
12. Welche Tipps und Tricks können Sie uns mit auf die Reise geben?
Was mir wirklich geholfen hat, war die Telefonnummer von meinem Fahrradladen in Freising! Denn bei Pannen mitten in der Prärie oder bei Falschauskünften gab es immer noch eine Freisinger Alternative, die immer funktionierte!
Ich werde vor meiner nächsten Tour einen Tag in dieser Werkstatt verbringen und bei sämtlichen Reparaturarbeiten selber Hand anlegen.
Außerdem sollte jeder, der auf Reisen geht, sein Können realistisch einschätzen, also sich nicht überfordern und eine Menge Zeit mitbringen.
13. Und was steht bei Ihnen in Zukunft an?
Eventuell möchte ich die Strecke noch mal in kleinen Etappen mit viel Zeit abfahren, außerdem kümmern wir uns weiterhin sehr stark um die Indianer, und dann gibt es noch eine Traumtour in meinem Kopf die möglicherweise in naher Zukunft kein Traum mehr sein wird.