
Hier in der fruchtbaren Mitte Kaliforniens hat sich Jack London nach seinen Abenteuern am Yukon niedergelassen. Auch wenn er im Norden auf der Suche nach Gold nicht reich wurde, seine Romane über die Erlebnisse dort bescherten ihm schließlich ein Vermögen, von dem die meisten Glückssucher nur träumen konnten.
Dirk Rohrbach will seine Reise auf dem Anwesen von Jack London beginnen und nach Spuren des Mannes suchen, der den Mythos Yukon vor 100 Jahren begründete. Evtl. noch Abstecher nach San Francisco und Seattle, von wo aus die meisten Glückssucher auf Schiffen nach Norden aufbrachen. Letzte Besorgungen, Vervollständigen der Ausrüstung...
Dirk Rohrbach möchte für die Tour ein indianisches Kanu bauen. Nicht nur als Türöffner, auch weil es die logische Konsequenz aus dem Wunsch nach den Begegnungen mit den Ureinwohnern entlang des Flusses ist. In den Wäldern Ontarios lebt einer der wenigen Kanubauer, Tom Byers, der zur ethnischen Gruppe der Métis gehört, von denen er den Bau noch lernen kann. Er ist gespannt auf seine Geschichte, warum er abgeschieden in einer kleinen Blockhütte lebt und wie er die Kunst des Kanubaus gelernt hat. Die beiden werden in den kanadischen Waeldern Birkenrinde schaelen und in drei Wochen ein authentisches Boot bauen, das früher von den Native Americans als Hauptverkehrsmittel genutzt wurde.
Die kleine Küstensiedlung war einst Anlegestelle für die Schiffe aus dem Süden, die Tausende Goldsucher ausspuckten. Karl Guerke arbeitet hier bei der Nationalparkbehörde und archiviert die historischen Fotos, die von den Dramen und der Härte des Goldrausches zeugen. Er führt uns durchs historische Viertel und erzählt, wie aus ein paar Hütten am Fjord innerhalb kürzester Zeit eine ‚Boomtown’ wurde, die als Ausgangspunkt für die Abenteuer im Norden galt. Von hier startet auch die alte Eisenbahn über den White Pass, die seit über 100 Jahren Menschen und Güter in die Berge transportiert. Sie soll auch Dirk Rohrbachs Birkenrindenkanu und den Proviant zum Lake Bennett voraus bringen. Denn er will zu Fuß über den legendären Chilkoot-Pass in 4 Tagen aufsteigen und den Spuren der zahllosen Goldsucher folgen...
Gut 50 km sind es von Skagway bis zum Lake Bennett. In den frühen Jahren des Goldrausches zogen täglich Tausende über den Chilkoot Trail vom Meer in die Berge. Bis zu einer Tonne Proviant musste jeder im Winter über den Pass schleppen, um eine Chance zu haben und nicht bis zur Schneeschmelze zu verhungern. Wie die Ameisen quälten sich die Männer über die ‚Golden Stairs’ zum Chilkoot Pass auf über 1000m nach etwa der Hälfte der Strecke. Nicht wenige kamen durch Lawinen ums Leben. Diese Gefahr besteht selbst heute noch, wo der Trail zum Trekkingpfad für Abenteurer und Hiker geworden ist. Im Juni weicht der Schnee nur langsam und gibt den Blick frei auf zurückgelassene Ausrüstung der Goldsucher. Es ist das Reich der Caribous, Bergziegen und Bären. Das Tor zu den Goldfeldern am Klondike.
Für die Goldsucher Ende des 19. Jahrhunderts waren die Quellseen nach dem strapaziösen Aufstieg über den Chilkoot Trail die nächste Etappe auf dem Weg zum Glück. Sie bauten sich Holzboote und segelten über die Seen Richtung Norden. Rund eine Woche dauert die Reise von hier aus bis nach Whitehorse, mit 25.000 Einwohnern die ‚Metropole’ am Fluss. Erst kurz zuvor entspringt er aus den Seen und erhält den Namen Yukon. Größte Herausforderung der ersten 160km auf dem Wasser sind die Winde, die hier oben durch die Täler fegen und das Wasser meterhoch aufpeitschen können. Vielleicht lassen sie sich aber auch mit einem kleinen Segel nutzen? Dirk Rohrbach verstaut Proviant und Ausrüstung im Boot. Erst jetzt wird sich zeigen, ob die Birkenrinde wirklich dicht hält oder nachgebessert werden muss...
In Whitehorse fließt der Yukon in den Lake Laberge, einen der schönsten Seen der Welt. Am Anfang und Ende des Sees liegen verlassene Indianerdörfer. Nach 50km auf dem See beginnt der 30mile-River, der vielleicht schönste Abschnitt des Yukon. Seeadler schweben über dem kristallklaren Fluss, der in spektakulären Kurven durch die weite Landschaft mäandert. Am Ende liegt Hootalinqua, eine verlassene Telegraphen-station. Gegenüber auf einer Insel vermodert das gespenstische Wrack der ‚Evelyn’ auf seinem Trockendock. Auch im weiteren Verlauf finden sich überall Spuren aus der Goldgräberzeit. Hinter Carmacks formen mächtige Felsen im Fluss die berühmt-berüchtigten Five Finger Rapids. Früher eine gefährliche Stromschnelle, an der zahllose Boote zerschellten. Heute, nach Sprengarbeiten, weit harmloser, aber nicht zu unterschätzen und je nach Wasserstand durchaus noch Wildwasser II-III. Nun wird es auch schwieriger, sauberes Trinkwasser zu finden. Filter versagen meist wegen des hohen Sandgehaltes. Dann hilft nur abkochen.
In Dawson endete für die Goldsucher ihre Reise und das eigentliche Abenteuer begann. Heute leben rund 2000 Menschen in Dawson. Darunter auch einige deutsche Aussteiger, die ein Hostel betreiben oder als Zahnarzt und Buschpilot arbeiten. Nach einem Pausentag mit Reparaturen am Boot und Provianteinkäufen geht es für Dirk Rohrbach weiter auf dem Yukon, der nochmal an Strömung zunimmt und nach etwa 1000km durch Canada jetzt rasant Alaska erreicht. Eagle heißt die erste Ortschaft hinter der Grenze, in der man auch mit dem Birkenrindenkanu Zoll- und Einreiseformalitäten über sich ergehen lassen muss. Der Fluss wird jetzt einsamer. Am Ufer stehen vereinzelt restaurierte Blockhütten, an denen Myriaden von Moskitos nach unbedarften Flusswanderern gieren.
Hinter Circle beginnen die berüchtigten Yukon Flats, ein Sumpfgebiet, in das sich der Fluss in unzähligen Seitenarmen verzweigt. Aus der rasanten Reise wird ein zähes Dahintreiben durch die einsame Wildnis. Willkommen in ‚Bush Alaska’. Vereinzelt säumen Fish Camps und Trapperhütten die Ufer bis zu Fort Yukon, dem nördlichsten Punkt der Reise, an dem im Juni die Sonne niemals untergeht. Fort Yukon ist eine „wet community“, wo das Trinken von Alkohol im Vergleich zu den umliegenden Dörfern erlaubt ist. Die Strömung scheint jetzt gänzlich zu stoppen. Geduld und Demut sind in den nächsten Tagen gefragt. Bei Yukon Crossing führen die Alaska Pipeline und der Dalton Highway über den Fluss. Es ist die letzte Straße, die mit dem Yukon Kontakt hat. Für die nächsten 1300 Kilometer bis zum Meer...
Als Paddler ist Dirk Rohrbach jetzt allein auf dem Yukon. Aber er muss den Fluss mit motorisierten Fischerbooten und riesigen Barken teilen, die schweres Gerät, Holz und Proviant auf ihren Fußballfeld großen Decks in den Busch transportieren. Die Bugwellen dieser Schiffe sind gefährlich für das kleine Birkenrindenkanu. Auch der Wind kann das Wasser auf dem 2 bis 3 Kilometer breiten Fluss aufpeitschen und ein Vorankommen unmöglich machen. Bei Windstille wabert mitunter Verwesungsgeruch über den Yukon. Skurrile Erinnerung an die Tierleichen aus der letzten Eiszeit, die der Permafrostboden endlich freigibt und die dann verrotten. Mit 800 Einwohnern ist Galena fast schon eine Metropole am Fluss mit verschiedenen Läden, in denen Dirk Rohrbach seinen Proviant aufstocken kann. Außerdem trifft er hier indianische Freunde, die ihn zum Fischen und Jagen eingeladen haben...
Die letzten Wochen auf dem Fluss, der mehr und mehr zum riesigen See wird. Die Strömung verschwindet gänzlich. Der Wind wird zunehmend stärker im August. An den Mündungen der Zuflüsse tummeln sich zahlreiche Bären. Es ist die Hochzeit der Lachswanderung. Die Nächte werden unruhiger. Fast täglich ziehen jetzt Fischcamps und kleine Dörfer am Ufer vorbei.
Die Indianer erzählen vom Verlust ihrer Sprache und Kultur. Vom Kampf um ihr Territorium gegen weiße Politiker und Energiekonzerne. Aber auch von den Traditionen, die in archaischen Gesängen, Tänzen und im Kunsthandwerk weiterleben. Nach über 3000 Kilometern ergießt sich der Yukon dann in die Bering See. Endloses Meer. Dirk Rohrbach ist am Ziel. Vielleicht. Denn erst jetzt wird sich zeigen, ob die Zeit ausgereicht hat oder die gefürchteten Stürme und ein früher Wintereinbruch den letzten Triumph verwehrt...
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Länge: ca. 3000 Kilometer Dauer: ca. 60-70 Fluss-Tage plus ca. 20 Vorbereitungs- & Wandertage Zeit: Juni bis August 2010 |
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