TATONKA - Expedition Life
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Yukon - 3000 km mit dem Kanu

 

Wahrscheinlich lag es an Jack London. Zu meinem 18. Geburtstag bekam ich ein Dreierpaket mit seinen Welterfolgen Wolfsblut, Lockruf des Goldes und Der Ruf der Wildnis. Ich verschlang seine Geschichten aus dem rauen Norden und war infiziert. Endlose Weiten, unberührte Natur und überall Abenteuer – Nordamerika wurde zu meinem Traumziel. Aber auch verdammt weit weg. So suchte ich kurz nach der Schule in Lappland die ersten Nordlanderfahrungen und wurde noch sehnsüchtiger...

Jetzt, im Sommer 2010, ist es endlich soweit. Und ich habe Angst. Vor Bärenattacken, endlosen Tagen der Einsamkeit und dem Wasser. Ich weiß, das klingt blöd, wenn man eine Kanu-Tour plant. Aber meine Beziehung zum Wasser liegt irgendwo zwischen Hassliebe und Ehrfurcht vor einem unberechenbaren Element. „Jeder Flussmeter des Yukon kann Dich töten!“ meinte jemand bei meinem ersten Besuch im letzten Jahr. Na, der übertreibt ja ganz schön, dachte ich. Bis ich ihn dann zum ersten Mal sah und schließlich auch für ein paar Tage im Kanu testete. Reißend schnell, mächtig und eiskalt. Wenn’s blöd läuft und man kentert, womöglich noch alle Ausrüstung dabei verliert, kann es ähnlich dramatisch verlaufen wie für Christopher McCandless aus Into the Wild. Auf der andere Seite ist der Yukon der vielleicht eindrucksvollste Weg in die Wildnis Nordamerikas, zu unvergesslichen Begegnungen und spektakulären Landschaften.

 

1. Das Birkenrinden-Kanu, April/Mai 2010


Ich möchte für die Tour ein indianisches Kanu bauen. Nicht nur als Türöffner, auch weil es für mich die logische Konsequenz aus dem Wunsch nach den Begegnungen mit den Ureinwohnern entlang des Flusses ist. OK, und weil es toll aussieht. In den Wäldern Ontarios lebt einer der wenigen Kanubauer, von denen ich den Bau noch lernen kann.
In meinem Blog zeige ich euch wie das Kanu entstanden ist.

2. Chilkoot Trail, Juni 2010 


Die ersten gut 50 Kilometer der Tour zu den Quellseen könnten die anstregendsten werden. Von Meereshöhe auf über 1000 Meter, mit einem schweren Rucksack und einem kaputten Knie. Musste vor fünf Jahren eine schwere Operation über mich ergehen lassen und habe mich davon bis heute nicht erholt. Hoffentlich war die Vorbereitung ausreichend und das Knie hält...

3. Die Quellseen des Yukon, Juni 2010


Die Landschaft hier oben ist atemberaubend. Und nahezu menschenleer. Aber der Wind kann auch zur Herausforderung und Gefahr werden. Wenn er das Wasser aufpeitscht, bin ich vielleicht für Tage ans Ufer gefesselt. Und was, wenn Eisblöcke den Wasserlauf blockieren ?



6. Yukon Flats, Juli 2010


Hinter Circle, Alaska beginnen die berüchtigten Yukon Flats, ein Sumpfgebiet, in das sich der Fluss in unzähligen Seitenarmen verzweigt. Wo die Hauptströmung verläuft und welches der schnellste Weg aus diesem Wasserlabyrinth ist, lässt sich kaum feststellen. Hier wird sich zeigen, wie geduldig und demütig ich angesichtes des zähen Vorankommens und der nervigen Moskitos sein kann.



7. Lachsfang & Kariboujagd, August 2010


Im letzten Sommer habe ich zufällig ein paar Ureinwohner aus Alaska kennen gelernt, als ich vom Yukon zurück nach Whitehorse trampen wollte. Wir haben Adressen ausgetauscht, und ich erzählte ihnen von meinen Plänen. Sie haben mich zum Fischen und Jagen eingeladen. Ich möchte aber auch erfahren, wie die Native Americans oder First Nations hier oben leben. Viele weithin bekannte Probleme teilen sie mit ihren Brüdern und Schwestern in Dakota, wo ich ja seit vielen Jahren immer wieder hinreise. Aber schaffen sie es, zwischen Alkohol und Arbeitslosigkeit vielleicht besser ihre Traditionen und Sprachen zu bewahren? Und wie sehr ist ihr Land wegen der Bodenschätze auch heute noch bedrängt? Für mich wird diese Passage zur Schlüsselstelle der gesamten Tour.



8. Das Ziel – Bering Sea, September 2010


Klar möchte ich gerne die Bering See erreichen. Denn erst hier endet für mich die Tour. Was aber, wenn Herbststürme oder gar schon das erste Eis dieses Ziel verwehren? Habe ich überhaupt eine Chance und was empfinde ich, wenn ich nach Wochen auf dem Fluss tatsächlich aufs offene Meer paddeln kann. Triumph oder Leere?


 

4. Five Finger Rapids, Juni 2010


Hinter Carmacks formen mächtige Felsen im Fluss die berühmt-berüchtigten Five Finger Rapids. Früher eine gefährliche Stromschnelle, an der zahllose Boote zerschellten. Heute, nach Sprengarbeiten, weit harmloser, aber nicht zu unterschätzen und je nach Wasserstand durchaus noch Wildwasser II-III. Ich habe Bilder aus dem letzten Jahr gesehen, als die Wellen im Juni fast mannshoch in Kanus schlugen. Eigentlich will ich nicht umtragen. Aber so früh zu kentern und vielleicht die Ausrüstung verlieren, wäre auch blöd. Face your fears ;-)

5. Am Polarkreis, Juli 2010


Für eine kurze Zeit verläuft der Yukon nördlich des Polarkreises. Klar, dass dieser ‚höchste’ Punkt der Tour ein besonderer ist. Für mich schließt sich hier auch ein kleiner Kreis. Einmal zuvor erst stand ich am Polarkreis. In Lappland, Anfang der 90er, als ich dem Mythos Alaska in Europa näher kommen wollte. Und jetzt bin ich tatsächlich da, wo ich immer hin wollte.