Berlin mit dem Rad entdecken

Kult(ur)-Metropole hautnah

Pulsierend, jung und dynamisch: Das ist Berlin. Auf dem Rad kommt man dem Flair und den zum Teil verborgenen Schönheiten der facettenreichen Großstadt besonders nahe. Die Distanzen lassen sich so noch bequemer zurücklegen – und so wird der Tagestrip zu einem ganz entspannten Wandeln zwischen den Welten, zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Großstadttrubel und grünen Ruheoasen.

Reger Radverkehr gehört zum Berliner Stadtbild ebenso wie der Reichstag oder die Friedenssäule: Rund 650 Kilometer Wege stehen den Radfahrern in Berlin mittlerweile zur Verfügung; zudem wird der Ausbau der Fahrradrouten eifrig vorangetrieben: Die wichtigsten Orte der Stadt können mittlerweile sicher und ganz bequem „erradelt werden“.

Ausgehend vom Schlossplatz im Zentrum sollen gut erschlossene und untereinander dicht vernetzte Fahrradrouten in die Außenbezirke führen. Hinzu kommen noch die sieben Radfernwege wie beispielsweise der Radweg Berlin – Usedom, der auf knapp 330 Kilometern von der Hauptstadt Berlin zu der Ostsee-Ferieninsel führt und dazwischen entlang großzügiger Wiesen und ausgedehnter Waldgebiete, vorbei an Seen, Flüssen, historischen Orten mit alten Sehenswürdigkeiten und einer üppigen Tier- und Pflanzenwelt führt. 

Um Berlin mit dem Rad zu erkunden, muss man kein teures Equipment besitzen: Stadträder mit drei oder mehr Gängen sind gerade für Touren im Stadtgebiet völlig ausreichend. Und auch wenn die Touren im Hinblick auf die Kilometerzahl recht entspannt sind, so sollte man doch genügend Zeit einplanen, um Pausen zu machen, um die Schönheiten und die Stimmungen der Stadt auf sich wirken zu lassen. In den S- und U-Bahnen, den Straßenbahnen und den Zügen des Regionalverkehrs ist die Mitnahme von Fahrrädern rund um die Uhr möglich – so kann man auf der kleinen Alltagsflucht ins Grüne rasch die Stadtgrenzen verlassen und sich auf den Sattel schwingen. 

Wir stellen euch hier vier ganz besondere Touren vor: Zwei geschichtsträchtige Strecken innerhalb der Stadtgrenzen und zwei landschaftlich besonders schöne Etappen im Berliner Umland. Sie sind den beiden Radtouren-Führern „Berlin per Rad entdecken“ von Sabine Jözwiak und Ulrich Gries (BVA, Bielefeld 2005) sowie „Ab ins Grüne: Ausflüge mit der Berliner S-Bahn“ von Klaus Scheddel entnommen. Einen Fahrradstadtplan für Berlin stellt der ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrradclub) zur Verfügung: www.adfc-berlin.de

Auf den Spuren der Geschichte: Vom Roten Rathaus zum Brandenburger Tor

Der Bezirk Mitte ist das historische Zentrum Berlins: Alt und Neu stehen in Mitte Schulter an Schulter. Die ereignisreiche Vergangenheit hat hier ihre Spuren hinterlassen – zahlreiche Neubauten gliedern sich hier in das Stadtbild ein. Die Tour beginnt am S-Bahnhof Alexanderplatz und erreicht nach fünf Kilometern die S-Bahn-Station Unter den Linden. Sie führt vorwiegend über kleine, verkehrsarme Straßen, passiert aber auch kurze Abschnitte auf verkehrsreichen Straßen. Gesäumt wird diese Route von zahlreichen historischen Sehenswürdigkeiten: Dem Roten Rathaus mit seiner ungewöhnlich leuchtenden Klinkerfassade, dem Schlossplatz auf der Spreeinsel, dem Lustgarten und der Museumsinsel, der Staatsoper, der beeindruckenden Humboldt-Universität, dem weitläufigen Gendarmenmarkt. Schließlich erreicht sie die Prachtmeile Unter den Linden, die noch immer ihren Flair verströmt und zu Gedankenreisen in eine prunkvolle, längst vergangene Zeit einlädt. Schließlich erreicht die Tour das Brandenburger Tor, von dem aus man auf den Radweg der Straße des 17. Juni einschlagen kann und zu einer Tour durch das Botschaftsviertel aufbrechen kann.

Spannende Tour entlang der Berliner Mauer

Seit dem Mauerfall sind viele Spuren des Grenzsystems verwischt; mit dem Fahrrad kann man dem Verlauf und den zahlreichen wichtigen Stationen der Mauer folgen und zahlreiche Informationsangebote wahrnehmen, beispielsweise im Mauerdokumentationszentrum oder im Museum am Checkpoint Charlie. Auch diese Tour beginnt am S-Bahnhof: Von der Bornholmer Straße aus führt die Tour 17 Kilometer lang über verschiedene Wegetappen. Vorbei am Mauerpark und der Versöhnungskirche radelt man zur Gedenkstätte Bernauer Straße und dem Invalidenfriedhof, gelangt weiter durch das neue Regierungsviertel zum Brandenburger Tor. Stark mit der deutschen Geschichte verhaftet, führt der Weg weiter vorbei am Holocaust-Denkmal, zum Potsdamer Platz und zum Dokumentationszentrum „Topograpghie des Terrors“. Nach einem Abstecher zum Checkpoint Charlie endet die Fahrt an der East Side Gallery, ein knapp 1300 Meter langes, von 118 Künstlern aus 21 Ländern bemaltes Stück der Hinterlandmauer und stellt somit die längste dauerhafte Open-Air-Galerie der Welt dar. Ein spektakulärer Abschluss für diese spannende Tour. 

Grüne Oase Bachtal: Faszinierend und lehrreich auch für die Kleinsten

Wer dem Großstadttrubel zumindest für wenige Stunden den Rücken kehren möchte, findet im Berliner Umland Erholung. Am einfachsten beginnt man die Tour an einer der S-Bahnhöfe – beispielsweise in Birkenwerder, nördlich von der Berliner Innenstadt in der Nähe von Oranienburg gelegen. Das reizvolle Bachtal ist zu jeder Jahreszeit ein lohnendes Ziel und fasziniert durch seine vielfältige Pflanzen- und Tierwelt. Vom S-Bahnhof Birkenwerder weisen Tafeln den Weg zum sehr ursprünglichen Briesetal – man radelt gemütlich an den westlichen Ausläufern des Briesetals vorbei, entlang des Boddensees. Bei der Ansiedlung Briese kann man sich in einem Naturlehrkabinett über die Besonderheiten der Landschaft informieren – ein interessanter Ausflug also auch für Familien mit Kindern! Von Briese aus kann man entweder zu einer längeren Fahrt durch das Tal bis nach Zühlsdorf aufbrechen oder aber nur eine kurze Runde fahren und den Rückweg zum etwa drei Kilometer entfernten S-Bahnhof Borgsdorf antreten.

Seeluft schnuppern am Blankenfelder See

Einen kleinen Kurzurlaub gönnt man sich auf der Radwanderung von Blankenfelde über den Blankenfelder See und schließlich nach Rangsdorf: Die Tour beginnt am Bahnhof Blankenfelde und führt zunächst entlang eines Naturlehrpfades. Wo sich noch vor knapp 40 Jahren eine ausgedehnte Wasserfläche erstreckte, ist das Gewässer nun verlandet – vom See selbst ist nur ein Niedermoorgebiet erhalten geblieben, in dem sich mittlerweile selten gewordene Vogelarten niedergelassen haben. Auch der lange Zeit vom Aussterben bedrohte Fischotter ist hier wieder heimisch geworden. Wer nach den vielen Eindrücken auf dem Naturlehrpfad echte Seeluft schnuppern will, fährt auf einem schönen Waldweg weiter in Richtung Süden nach Rangsdorf mit seiner Strandidylle, dem schönen Sandstrand mit herrlichem Seeblick und gemütlichen Strandkörben.

Dieser Artikel wurde ursprünglich im Oktober 2012 veröffentlicht und im März 2017 überarbeitet.