Die Longboard-Crew ist unterwegs – das Abenteuer beginnt! (Part 2)

„Was wäre ein Leben ohne Abenteuer? Schlicht und einfach langweilig“, meinen Franky, Stephan und Thomas, drei Studenten aus der Oberpfalz, und fahren sechs Wochen und mehr als 1000 Kilometer mit dem Longboard durch Peru.


Nach mehreren Wochen Vorbereitung ist der Moment tatsächlich gekommen: Wir befinden uns in Punta Hermosa, eine kleinen Vorort von Lima. Der Taxifahrer, welcher uns bis hierher gebracht hat, lässt uns verdutzt aussteigen und vergewissert sich zum dritten Mal über unser Vorhaben. „Nur mit diesen Dingern auf der Panamericana nach Arequipa?" Nach erneuter Bestätigung, jedoch weiterhin ungläubig, überlässt er uns schließlich unserem Schicksal. Zum ersten Mal tragen wir unsere ca. 20 Kilo schweren Rucksäcke auf dem Rücken. Mit unsere Bretter in der Hand betrachten wir unsere Umgebung. Das Abenteuer beginnt.

Die Reiseplanung der Tatonka Longboard Crew beginnt


Jetzt ist es also soweit, der Moment der Wahrheit ist gekommen. Nach den ersten paar Pushes auf der Straße Richtung Arequipa erfahren wir schon die erste kleine Ernüchterung: Der Belag ist so lala und der Verkehr auf der schmalen Straße extrem nervtötend. Auch das Geräusch, das uns für den Rest der Reise tagein tagaus aus begleiten wird, ist zum ersten Mal zu hören: Hupen Hupen Hupen. Für den Beginn unseres Abenteuers haben wir bewusst darauf verzichtet, auf der Panamericana zu starten, und stattdessen einer Nebenstraße für die ersten zehn Kilometer den Vorrang gewährt.

Die ersten Kilometer auf der Panamericana



Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase folgt der Wechsel auf unser Zuhause für die nächsten drei Wochen, die Panamericana. Hier verbessert sich die Qualität des Seitenstreifenbelags erheblich, woraufhin die anfängliche Skepsis der immer größer werdenden Vorfreude weicht. Landschaftlich hat die Umgebung rund um die Schnellstraße leider nicht viel zu bieten, da Plastiktüten und Abfall die sandigen Ausläufer Limas dominieren.

Nach den ersten 50 Kilometern haben wir unser Tagesziel erreicht und wir suchen zum ersten Mal auf unserer Reise einen Schlafplatz für die Nacht. Nach etwas längerer Suche ist ein passender Zeltplatz gefunden, der nicht allzu weit entfernt von der Straße liegt und nicht auf den ersten Blick einsehbar ist. Bis auf die nächtlichen tierischen Besucher in Form von Hunden sowie einem Scheinwerfer, der immer wieder auf unseren Zeltplatz strahlt, verläuft die erste Nacht unter freiem Himmel in Peru vergleichsweise ruhig.

Tatonka Longboard Crew - Die erste Nacht im Zelt in Peru

Der Morgen beginnt mit ernüchternden Nachrichten: Die Zelte sind bereits nach nur einer Nacht feucht vom Morgentau. Der Start in den zweiten Tag gestaltet sich schwierig, die grundsätzliche Motivation ist nicht sonderlich hoch, und das Hupen in der Ferne verspricht keine schnelle Besserung. Jedoch hat der Straßengott offensichtlich ein Nachsehen mit uns und beschert uns einen wunderbaren Downhill von zehn Kilometern bis an den Strand.

Begegnungen mit Einheimischen – „crazy Germans“!



In perfekter Kulisse beschließen wir, Frühstück einzunehmen und uns auf die bevorstehende Etappe vorzubereiten. Nach einem längeren Stück erreichen wir ein Beach Resort, welches direkt an der Straße liegt und uns eine Pause abseits von Staub und Müll verspricht. Trotz spanischer Sprache ist der Sicherheitsmann jedoch leider nicht in der Lage unser Anliegen zu verstehen. Dieses Phänomen wird uns auf der kommenden Reise noch des Öfteren Schwierigkeiten bereiten. Die Leute sind von dem ersten Eindruck - drei Gringos auf Holzbrettern auf der Panamericana – derart überrumpelt, dass ein normales Gespräch nicht mehr stattfindet und uns die meisten nur mit offenem Mund anstarren.

Es bleibt uns also nichts anderes übrig als unsere Reise ohne Verschnaufpause fortzusetzen. In dem nächsten kleineren Örtchen kehren wir schließlich erschöpft in einem Restaurant ein, um uns zu stärken. Leider wird nicht gekocht und wir müssen uns mit Getränken zufrieden geben. Die anfängliche Skepsis der Besitzerin schlägt schnell in Neugierde um und wir sind das „Nummer Eins“-Fotoobjekt in dem Restaurant. Auch in Peru gibt es eitle Frauen. So stellt sich zum Beispiel die Restaurantbesitzern bei unserem Foto auf einen kleinen Stuhl, damit sie größer wirkt als sie tatsächlich ist. Verstehe einer die Frauenwelt.

Tatonka Longboard Crew - Mit den ersten Sonnenstrahlen belohnt

Wir setzen unsere Reise fort, und nach kurzer Zeit erreichen wir ein weiteres Mal das Meer, und dieses Mal werden wir auch mit den ersten Sonnenstrahlen belohnt. Nach kurzer Zeit treffen wir auf ein peruanisches Surfer-Pärchen, das uns am Seitenstreifen abfängt. Ein nettes Gespräch und mehrere "Crazy Germans"- Rufe später, machen wir uns wieder auf den Weg.

Gefährliche Geschichten und interessante Gespräche



An diesem Tag erreichen wir unseren Schlafplatz für die Nacht nach 70 Kilometern, und wir beziehen unser nächtliches Quartier auf einer Wiese umringt von Schilf. Der perfekte Platz, um ein kleines Lagerfeuer zu entfachen und die Erlebnisse des Tages in dessen angenehmer Wärme Revue passieren zu lassen. Unsere Stimmung steigt, zumindest bis kurz vor dem Schlafengehen, denn hier ereignet sich ein Stimmungskiller: Stephans aufblasbare Luftmatratze hat einen 15 cm langen Schlitz, der sich leider auch nicht mehr flicken lässt, was ihm im Laufe der Reise so einige kurze Nächte bescheren wird.

Unser Frühstück umfasst an diesem Tag Früchte und Inka-Cola für jeden von uns. Der Verkäufer warnt uns, wie viele andere später auch, auf der Route vor möglichen Überfällen.
Offensichtlich wurde erst vor ein paar Wochen ein Kolumbianer ausgeraubt und erschossen. Nach solchen Geschichten stellen wir uns immer wieder die Frage, ob es das alles wert ist, aber wir wollen uns den Trip nicht schwarz reden lassen. Mehrere Up-/Downhills durch eine karge Landschaft prägen den Tag. Wie die Tage zuvor kehren wir auch heute wieder in einem kleinen Straßenverkauf ein. Beim Gespräch mit dem jungen Besitzer erfahren wir mehr über seine eigentliche Arbeit als Schweißer auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik und die recht offensichtlichen Vorzüge, in solch einer Umgebung zu arbeiten. Solche Momente sind es, die für uns das Reisen ausmachen und uns zugleich die vorherigen Horrorgeschichten vergessen lassen.

Tatonka Longboard Crew - Up- und Downhill-Phasen auf der Panamericana in Peru

Nach dem Gespräch machen wir uns weiter auf Richtung Chincha Alta, unserem Tagesziel. Die Panamericana meint es gut mit uns und beschert uns mehrere Downhill-Phasen, bis wir an einem kleinen Restaurant an der Küste ankommen. Auch hier werden wir wie so oft auf der Reise zuerst kritisch beäugt, jedoch nach kurzer Kennenlernphase herzlich aufgenommen. Die Kinder spielen mit den Longboards, die Erwachsenen fragen interessiert nach Details unserer Tour. Wie viele andere geben uns auch die Leute hier nützliche Tipps beziehungsweise beschreiben uns die Straßenverhältnisse bis zu unserem nächsten Ziel. Nach einem kurzen Anstieg erreichen wir letztendlich unser Ziel, die Hauptstadt der Provinz Chincha.

Es rollt und hupt



Die letzten 60 Kilometer von Chincha Alta nach Ica beginnen am darauffolgenden Tag mit Sonnenstrahlen und viel Verkehr. Allerdings steht uns ab hier die bisher vierspurige Panamericana nur noch zweispurig zur Verfügung, was unser Unterfangen um einiger schwieriger und vor allem gefährlicher gestaltet. Nichtsdestotrotz treffen wir immer mehr Leute die uns entweder am Straßenrand oder auch aus Fahrzeugen heraus mit Daumen hoch, Hupen, breitem Grinsen und Sprüchen wie "Gringos locos" motivieren und uns immer wieder aufs Neue anspornen. Beim Ausweichen auf den mittlerweile nur noch aus Sand bestehenden Seitenstreifen kommt es zum ersten kleineren Unfall der Reise, bei dem sich Stephan den Arm aufschürft. Die Verkleinerung der Schnellstraße hat zum Glück keine Auswirkung auf den guten Belag, und so schaffen wir ohne weitere große Vorkommnisse unser Tagesziel.

Tatonka Longboard Crew - Fahren auf dem Seitenstreifen der Panamericana von Chincha Alta nach Ica

Bei der Suche nach einem geeigneten Zeltplatz einigen wir uns auf eine kleine freie Fläche abseits der Straße neben einer vermeintlichen Fruchtplantage. Der ruhige Schlafplatz wird sich später jedoch als das bisher größte Abenteuer unserer Tour herausstellen …

Was der "Longbeard"-Crew widerfährt, erfährst du in Part 3 ihrer Peru-Tour.

 

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