Die Tatonka Longboard-Crew beißt sich durch! (Part 4)

Unterwegs auf der Panamericana crusen unsere „Crazy Germans“ seit mehreren Wochen mit ihren Longboards durch Peru. Die drei Jungs aus der Oberpfalz, die sich selbst die „Longbeard Crew“ nennen, haben Land und Leute sowie neue Kulturen kennengelernt und zahlreiche neue Eindrücke gewonnen. Sie trotzten sämtlichen Hindernissen, die sich ihnen bislang in den Weg stellten. Ob ruppige und enge Straßenverhältnisse, große Höhenunterschiede, ständig wechselnde Wetterextreme oder gar Schüsse aus einer Pumpgun. Nichts konnte die drei Abenteurer bisher auf ihrem Weg aufhalten. Kilometer für Kilometer kommen sie ihrem großen Ziel näher: Der peruanischen Stadt Arequipa. Ob es ihnen tatsächlich gelingen wird oder ob ihnen doch noch etwas dazwischen kommt?


Zurück auf die Straße



Nach der Erholungsphase zieht es uns nach drei Tagen wieder auf die Straße. Von
Nazca machen wir uns auf in Richtung Küste, wo uns jedoch gleich zu Beginn erneut starker Gegenwind das Longboarden so gut wie unmöglich macht. Die klimatischen Bedingungen und die triste Natur machen uns ebenfalls schwer zu schaffen. Jetzt heißt es durchbeißen und auf besseres Wetter hoffen.

Starke Winde und nasskaltes Wetter macht der Tatonka Longboard-Crew schwer zu schaffen.

Das Tagesziel von 50 Kilometern erreichen wir spät am Abend und versuchen, es uns auf unserem nassen Zeltplatz unweit der Straße so gemütlich wie möglich zu machen. Die kalte Nacht in der Wüste und die morgendliche Erkenntnis, dass sich die schlechten Bedingungen nicht gebessert haben, lassen die Motivation aber sofort weiter sinken. Mittlerweile ist an Longboarden gar nicht mehr zu denken, da der extrem starke Gegenwind jegliche Bemühungen sinnlos macht und gepaart mit dem zweiten (noch schlimmeren) Sandsturm der Tour wiederum Erinnerungen an Mad Max hochkochen lässt. Wir machen uns zu Fuß auf den weiteren Weg, und die ersten Gedanken zu Trampen kommen auf. Nach einem Fußmarsch von 15 Kilometern durch Sandstürme ist aus dem ersten Gedanken ein konkreter Entschluss geworden. Auf ein altes Blatt Papier schreiben wir den Stadtnamen Jahuay, welche laut Karte etwa auf Dreiviertel der Strecke nach Puerto Lomas liegt.

Erst nur Gedanke, dann konkreter Entschluss: Die Tatonka Longboard-Crew schreibt Jahuay auf ein Blatt Papier.

 

Zu Fuß durch die Wüste



Schon nach kurzer Zeit keimt erste Hoffnung auf, als ein kleiner Transporter am Straßenrand anhält. Die Euphorie ist jedoch schnell wieder verflogen, da uns der Fahrer außer mit aufmunternden Worten und drei Orangen nicht weiterhelfen kann. Aber immerhin. Die immer wieder aufkommenden Sandstürme setzen uns schwer zu, und jegliche psychische und physische Vorräte sind aufgebraucht. Zu diesem Zeitpunkt unserer Tour funktionieren wir nur noch.

Die Tatonka Longboard-Crew hofft auf der Strasse auf eine Mitfahrgelegenheit.

Nach weiteren 50 Kilometern zu Fuß durch die Wüste erreichen wir das erste kleinere Städtchen, wo wir auch prompt von einem Fernfahrer angesprochen werden, der uns anbietet, uns bis nach Arequipa mitzunehmen, was wir aber erneut eisern ablehnen. Unser anfänglicher Gedanke, dass wir uns in der Stadt Jahuay befinden, wird in dem Restaurant, in dem wir einkehren, aufgeklärt: Die erreichte Stadt ist nicht wie vermutet Jahuay, sondern bereits Puerto Lomas an der Küste. Wir sind also 65 Kilometer durch die Wüste gestampft mit dem Schild einer Stadt auf dem Rucksack, an der wir schon längst vorbei gegangen sind. Unweigerlich müssen wir an unseren Taxifahrer aus Ica denken. Hat sein Sinn für Orientierung abgefärbt?

Planänderung aufgrund der Wetterverhältnisse



Wie sich im weiteren Gespräch mit dem jungen Besitzer des Restaurants herausstellt, sind die besonders schlechten klimatischen Verhältnisse dieses Jahr eine Folge des Klimaphänomens El Niño. Dieser sorgt für extreme Gegenwinde an der kompletten Küste von Peru, so dass wir später auch entscheiden, die ursprünglich geplante Route erst in  fortzusetzen, da ab hier der Gegenwind wieder abnehmen soll.

Auf der Busfahrt dorthin wird uns immer deutlicher, dass eine Longboardtour auf dieser
Strecke nicht machbar gewesen wäre. Es herrscht extremer Wind, schlechte Straßenverhältnisse, sehr viel Verkehr und unmögliche Up-/Downhillpassagen.

Up- und Downhills im Landesinneren



Wie von den Einheimischen beschrieben, hat sich das Wetter tatsächlich gebessert, und es ist das erste Mal nach vier Tagen, dass wir wieder einigermaßen in der Lage sind zu Longboarden. Nach kurzer Strecke an der Pazifikküste ist es dann auch schon so weit: Die Reise führt uns auf die letzte Etappe ins Landesinnere von Peru. Unsere bisherigen Gegenspieler waren starker Wind sowie immer wieder entstehende Sandstürme. Jetzt müssen wir uns mit einem Höhenunterschied von 2.400 Meter und auftretendem Nebel / Regen auseinandersetzten. Warum machen wir diese Tour noch mal?

Nebel, Regen und extreme Höhenunterschiede: Die Tatonka Longboard-Crew hat in Peru mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen.

Nach 1.000 Metern Höhenunterschied erreichen wir ein Plateau mit sehr starkem Nebel, der unsere Sicht auf unter 50 Meter verringert. Die bisherigen Anstrengungen werden plötzlich mit zwei wunderbaren Downhills belohnt, die wir logischerweise nicht kommen sehen. Das Plateau zieht sich weitere zehn Kilometer immer geradeaus, wobei der Belag der Straße mittlerweile immer öfter zu wünschen übrig lässt. Auf dieser Geraden ereignet sich auch der zweite und letzte Sturz unserer Reise. Eine kleine Unachtsamkeit sorgt dafür, dass Thomas samt Rucksack zu Boden geht und sich dabei kleinere Schürfwunden zuzieht.

Notgedrungen legen wir deshalb eine größere Pause bei einem kleinen Kiosk ein. Der Besitzer hat nach eigenen Angaben noch nie wirklich eine weiße Person getroffen, abgesehen von denen, die tagtäglich vorbeifahren, aber nie aussteigen. Anhaltende Einheimische schenken uns eine Avocado, reden mit uns, und wir treffen überraschenderweise immer wieder Leute, die bereits von uns gehört haben. Beim Verlassen des Kiosks wird Stephan noch aufgefordert, auf dem Fußballtrikot eines peruanischen Vereins des Besitzers zu unterschreiben. Verrücktes Peru.

Die Sonne hat nun bereits den anfänglichen Nebel und Regen verdrängt, und nach kurzer Zeit erreichen wir Majes, einen der letzten Pit-Stopps unseres Trips circa 40 Kilometer vor Arequipa.
Der darauffolgende Tag beginnt mit dem Erreichen einer eindrucksvollen Schlucht. Zuerst sehr langer Downhill, gefolgt von identischem Uphill.

Die Tatonka Longboard-Crew: eindrucksvolle Schluchten und Downhill-Passagen.

Die letzten Kilometer



Auch die Mitfahrgelegenheiten häufen sich. Neben normalen Auto- und LKW-Fahrern bietet uns auch mehrere Male die peruanische Polizei eine Mitfahrgelegenheit im Pickup an, die wir jedoch erneut dankend ablehnen. Überschwängliche Euphorie stellt sich ein, da wir uns auf den letzten Kilometern der Tour befinden. Gestärkt wird diese Euphorie immer wieder durch die unglaubliche Offenheit und Gastfreundschaft der einheimischen Bevölkerung. So wird uns zum Beispiel mit den Worten "Ihr seht hungrig aus" ein komplettes Essen geschenkt, was uns die Begeisterung der Menschen immer wieder aufs Neue spüren lässt. Wir werden die letzten Male fotografiert, und vor allem kleine Kinder sind immer noch sehr interessiert an unseren Longboards.

Letzte Fotos mit der Tatonka Longboard-Crew.

Nachdem sich nun die letzten zehn Kilometer durch permanentes Up and Down noch etwas hinziehen, erreichten wir dennoch am Samstag, dem 22. August 2015, unser Ziel. 732 Kilometer und 20 Tage auf der peruanischen Straße haben uns auf diesen Moment hinfiebern lassen, in dem wir die erlösenden Worte "Bienvenidos a Arequipa" auf einem wesentlich unspektakuläreren Schild als in unserer Vorstellung lesen können.

Als Abschluss können wir ehrlich gesagt nur schwer die passenden Worte finden. Zu dem Zeitpunkt, zu dem dieser Bericht entsteht, kann noch keiner von uns das, was jetzt hinter uns liegt, so wirklich fassen. All die Dinge, die passiert sind, mit welchen Widrigkeiten wir zu kämpfen hatten, wie viele Leute wir kennengelernt haben und was für unglaublichen Landschaften und Szenen wir ab jetzt in unserer Erinnerung unser Eigen nennen dürfen.

Ziel erreicht - die Tatonka Longboard-Crew in Arequipa.

"Longbeard" Crew goes …?



Etwas, dessen wir uns schon am ersten Tag sicher waren, ist die Tatsache, dass wir diese Reise ohne die Hilfe von Tatonka in Form von drei Rucksäcken wahrscheinlich nicht bewältigen hätten können. Keiner von uns besaß im Vorfeld einen nur annähernd für diese extreme Belastung geeigneten Rucksack. Hätte uns Tatonka daher nicht unterstützt, so wären wir höchstwahrscheinlich aufgrund unserer begrenzten finanziellen Möglichkeiten mit Billigstrucksäcken losgezogen, die uns in der ersten Woche in unsere Schranken gewiesen hätten. Die drei Yukon-Rucksäcke taten mehr als ihren Dienst und dienten uns tagein tagaus als treue Begleiter, die nicht nur praktisch, sondern auch trotz der 20 Kilo unwahrscheinlich angenehm zu tragen waren.

Uns ist durchaus bewusst, dass das hier jetzt wie eine schlecht platzierte Pflicht-Promotion aussieht, jedoch mussten wir am Ende dieses Berichts ein derart ausführliches Lob dringend loswerden für das blinde Vertrauen in uns und die derart große Unterstützung, die uns Tatonka entgegengebracht hat. Vielen, vielen Dank!

Ganz am Schluss bleibt im Prinzip nur noch eins zu sagen: Dies wird sicher nicht unser letzter Longboard-Trip gewesen sein.

"Longbeard" Crew goes … ?

 

Du hast die ersten Teile verpasst oder möchtest die Reise unserer "Longboard" Crew noch einmal von Anfang miterleben? Hier findest du alle Reiseberichte:

Mit dem Longboard und Tatonka durch Peru - Part 1

Die Longboard-Crew ist unterwegs – das Abenteuer beginnt! - Part 2

Auf dem Longboard durch Peru – das Abenteuer geht weiter - Part 3

 

Diese Beiträge interessieren dich sicher auch:

 

Im Dschungel der Mitnahmebestimmungen – Was darf ins Fluggepäck?

Die wichtigsten Vorbereitungen für deine Fernreise

Sicherheit auf Reisen: 10 Tipps für unbeschwertes Entdecken

Tragen mit System: Trekkingrucksäcke richtig packen

Ausrüstungsliste für Trekkingtouren mit Zelt (PDF)

Outdoor-Küche - Draußen genießen (PDF)