Perfekt ausgerüstet – auch im Notfall

Unfälle und Verletzungen in der Natur stellen nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Ersthelfer mitunter vor große Herausforderungen. Das richtige Erste-Hilfe-Equipment sollte ständiger Tourbegleiter sein – ebenso das souveräne Wissen, worauf es im Ernstfall ankommt und wie sich so manche Notsituation vermeiden lässt.

 

Outdoorschule Süd: Erste Hilfe erleben und selbständig anwenden

Ein gewöhnlicher Erste-Hilfe-Kurs ist bei Notfällen im unwegsamen oder abgeschiedenen Gelände fast nutzlos. Da genügt es mit einem Male nicht mehr, einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage zu bringen und zu warten, bis der Notdienst kommt. Im Ernstfall müssen Blutungen gestoppt, offene  Knochenbrüche versorgt und Schockzustände bewältigt werden. Ein spezieller Erste-Hilfe-Kurs für den Einsatz in der Natur kann helfen, im Vorfeld Gefahren zu erkennen, Verletzungen fachgerecht zu versorgen und mitunter Leben zu retten.

Spezielle Outdoor-First-Aid-Kurse, wie sie zum Beispiel von der Outdoorschule Süd angeboten werden, befassen sich intensiv mit den Notfällen in der Natur und helfen den Teilnehmern, im Ernstfall einen kühlen Kopf zu bewahren und Erste-Hilfe-Maßnahmen wirkungsvoll durchzuführen. Dass das Wissen und die Praxis aus einem gewöhnlichen Erste-Hilfe-Kurs in der Natur häufig an ihre Grenzen stoßen, betont Peter Oster von der Outdoorschule Süd. In der Outdoorschule Süd setzt man auf Praxis und Übung, statt sich einzig auf die Theorie zu konzentrieren: Da werden die Teilnehmer schon einmal aus ihren Unterrichtseinheiten geholt, um einen dramatischen Notfall zu versorgen – inszeniert von den Trainern des Workshops, die nicht nur ihre Wunden realistisch schminken, sondern sich auch verhalten, als wären sie tatsächlich von einem Grizzly gebissen oder beim Holzhacken verletzt worden. „Bei einem offenen Knochenbruch sieht es wirklich so aus, als ob der offene Knochen heraussteht“, sagt Peter Oster in einem Gespräch mit Tatonka, „und die ‚Patienten‘ lachen auch nicht zwischendurch. Dadurch erreichen wir die Gewöhnung an den Stress im Notfalls Man bleibt handlungsfähig, auch wenn der Patient schreit und blutet. Das geht soweit, dass die Verletzten über Stock und Stein getragen werden müssen, auch über weitere Distanzen.“

Auch in einer brenzligen Situation einen kühlen Kopf zu bewahren, auch unter Schock und Berührungsangst rational zu handeln und bestmögliche Erste Hilfe zu leisten – diese Fähigkeit nehmen die Teilnehmer an den Erste-Hilfe-Kursen mit auf ihre Expedition in der Wildnis: „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass Stunden oder auch Tage vergehen könnten, bis der Rettungsdienst kommt“, sagt Peter Oster. „Man lernt etwa, Knochenbrüche selbst zu schienen und wird nicht mit Aussagen wie ‚Lass ihn liegen, bis der Notarzt kommt‘ allein gelassen.“

First-Aid-Sets für den Outdoor-Einsatz

Gerade bei bewegungsintensiven Outdoor-Einsätzen und ausgedehnten Wanderungen entscheidet das Gewicht der Ausrüstung über Herausforderung oder Strapaze: So leicht und reduziert die Ausstattung auch sein mag, eins darf im Rucksack niemals fehlen – ein Erste-Hilfe-Set. Und auch hier gilt: So wenig wie möglich, so viel wie nötig. Nur: Was brauche ich für meine ganz persönliche Tour? Entscheidend ist hier nicht der Einsatzzweck, sondern die Länge der Tour und die Größe der Gruppe.

Peter Oster erläutert im Gespräch mit Tatonka, worauf es bei der Notfallausrüstung ankommt

In enger Zusammenarbeit mit der Outdoorschule Süd hat Tatonka First-Aid-Sets für den Einsatz in der Natur entwickelt: Sie sind perfekt auf unterschiedliche Tourlängen und Gruppengrößen abgestimmt und enthalten die wichtigste Ausrüstung für eine medizinische Erstversorgung vor Ort. Tatonka hat mit Peter Oster von der Outdoorschule Süd gesprochen, worauf der Notfallausrüstung wirklich ankommt und worin sich die First-Aid-Sets von TATONKA von anderen handelsüblichen Notfalltaschen unterscheiden: „Die First-Aid-Taschen sind mit ausgewählten Produkten bestückt, die man im Notfall auch wirklich gebrauchen kann. Eine Mullbinde zum Beispiel ist in den Sets nicht enthalten, denn sie ist nicht steril und besitzt auch keine Wundauflage, so dass sie im Notfall gar nicht vernünftig genutzt werden kann. Das enthaltene Verbandspäckchen hingegen besteht aus einer sterilen, elastischen Mullbinde mit angenähter Wundauflage. Ein weiteres Beispiel: Das Dreiecktuch besteht aus Stoff, nicht aus Vlies. Es reißt also nicht, wenn man einen Verletzten damit trägt, und kann Wasser aufnehmen, damit man Verbrennungen kühlen kann. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass in den Taschen das nötige Equipment bereits enthalten ist – so braucht der Besitzer nicht lang überlegen, welches Material er einpacken muss und wie er es am besten in der Tasche verstaut. Mit dem Erste-Hilfe-Spickzettel, der in jedem First-Aid-Set enthalten ist, bekommen Ersthelfer eine notfalltaugliche Anleitung – denn die Tasche hilft ja nicht von allein.“
 

First-Aid-Wissen kompakt: Buchempfehlungen für Erste Hilfe auf Tour

Die Outdoorschule Süd hat vor einigen Jahren ihr Buch „Erste Hilfe Outdoor: Fit für Notfälle in freier Natur“ veröffentlicht – ein kompaktes Nachschlagewerk mit wichtigen Regeln und Gedankenstützen, Anleitungen, Informationen, Ratschlägen und bewährten Tipps rund um das Thema Erstversorgung.

Peter Oster: Erste Hilfe Outdoor: Fit für Notfälle in freier Natur. Ziel Verlag, Augsburg 2008

Sehr ausführlich auf die verschiedenen Symptome, Krankheitsbilder und Verletzungstypen geht das Buch „Erste Hilfe und Gesundheit am Berg und auf Reisen“ vom Bergverlag Rother ein. Der Autor, Dr. Walter Treibel, ist Orthopäde und Sportmediziner und Gründungsmitglied der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin. Zahlreiche Bilder zeigen die Erstversorgung von Wunden und den Transport von Verletzten sehr deutlich. 

Dr. Walter Treibel: Erste Hilfe und Gesundheit am Berg und auf Reisen. Bergverlag Rother, München 2011