Spreewaldpaddeln

von Steffen Scholz

Was für eine wundervolle Welt! Ja, auch dieses Spreedelta - mitten im Fluss, nicht an der Mündung gelegen - gehört dazu.

 

Ländliche Idylle


Bauern haben das Delta ausgebaut und nutzen die kleinen Kanäle für ihre Arbeit. Zum einen dient das Wasser der Bewässerung und zum anderen als Verkehrsweg. Da die meisten Wasserstrecken flach und schmal sind, geschieht die Fortbewegung mit Kähnen in stakender Weise. Im Laufe der Zeit hat sich neben dem Anbau von Gurken und Kürbissen auch der Tourismus sehr gut entwickelt. Und so findet man in den Dörfern direkt am Wasser viele Gaststätten, trifft die Postfrau mit einem Postkahn und erlebt unmittelbar die heimische Tierwelt. Besser als im Spreewald passt ein Gewässer nicht zu Kanu oder Kajak. Langsam fließend, zwischen zwei und acht Meter breit, bieten die Kanäle ständig neue Dinge, die nur einen Paddelschlag vom Boot entfernt sind. Um den Wasserstand zu regulieren, wurden viele Schleusen und Wehre errichtet. Die Schleusen sind so eingerichtet, dass man nach kurzem Studieren einer Anleitung diese selbst bedient. An allen Schleusen gibt es Anleger, so dass man bequem ein- und aussteigen oder auch jederzeit umtragen kann.

Regeln und Gesetze auf den Wasserstraßen


Die Kahnfahrer, genannt Fährleute, haben sich Sonderrechte auf den Kanälen gesichert - ähnlich den Taxifahrern in Großstädten. Das ist zum Teil auch begründet in der eingeschränkten Manövrierbarkeit der Kähne: Ein Mann mit Stakstange, genannt Rudel, versucht, einen mit 30 Personen besetzten Kahn aus Massivholz zu stoppen - geht nicht! Also heißt es für Paddler „hinten anstellen“.

Ein Großteil des Spreewaldes ist Privatland und zugleich Biosphärenreservat. Da heißt es: Erst informieren. Es gibt Einschränkungen zur Befahrung der Kanäle -  sowohl aus Naturschutz- als auch aus Platzgründen. So sind mehrere Teilstücke in den historischen Dörfern nur zeitweise für Paddler offen. Neueste Idee der Behörden ist eine strenge Kontrolle bestimmter Gesetze, in diesem Fall: Alle Boote müssen einen Namen in Mindesthöhe von 10 cm an den Seiten haben, sonst kostet es 35 €. Ob es den Tourismus fördert, wenn Gesetze zu 100% durchgesetzt werden, oder ob es besser ist, mit Augenmaß zu handeln, sei dahin gestellt … Es war auch schon von einer Befahrensgebühr für Paddler die Rede, das wurde aber noch nicht eingeführt. Was soll’s! Besucht den Spreewald, solange es noch geht!

Unterkünfte und Einsetzstellen


Es gibt viele Pensionen, einige Hotels, wenige Campingplätze. Allerdings findet man fast keine freien Einsetzstellen. Hier gilt: Höflich sein, nett fragen, eine kleine Spende für die Kaffeekasse - und schon kann man parken und sein Boot einsetzen. Für die Runde um Lübbenau empfiehlt sich der Schlosscampingplatz Lübbenau. Dort kann man parken, es gibt eine Toilette und Bootsverleiher, und man ist nahe an den historischen Orten. Für die ruhigere Seite vom Spreewald empfiehlt sich der Campingplatz am Ostgraben. Es handelt sich um einen privaten Platz nur für Zelte.

Gefahren im Paradies?!


Gibt es eigentlich Gefahren im Paradies? Ja! Die Natur ist ja nicht immer nur schön. Es gibt eine Krankheit, die im Spreewald die Pappeln befallen hat, die sogenannte Pappelfäule. Die Bäume verfaulen von innen nach außen, und man sieht dem Baum seinen Zustand erst sehr spät an. Das kann bei starkem Wind gefährlich werden, da die Bäume instabil sind und umstürzen. Deshalb sollte man bei Gewitter und starkem Wind einen festen Unterschlupf bevorzugen.

Alle möglichen Tiere …


Welche Tiere trifft man so an im Spreewald? Im ungünstigen Fall die Familie der Mücken und/ oder Bremsen. Ansonsten kann man viele Tiere beobachten: Eisvögel, Ringelnattern, Blindschleichen, Bisamratten, Kühe, laute und angetrunkene, kahnfahrende Touristen … Da kommt es ganz auf die Tages- und Saisonzeit an. In der Woche während der Nebensaison und etwas abseits der Hauptkanäle sind die Tiere ungestört und sehr gut zu beobachten.

Am liebsten im Kanu


In meinen Augen ist das Kanu das perfekte Boot zum Befahren der Kanäle. Der Paddelrhythmus strahlt Ruhe aus, durch die erhöhte Sitzposition hat man einen besseren Rundumblick und das Ein- und Aussteigen an den Schleusen ist einfacher als mit dem Kajak. Wenn man mit der Familie unterwegs ist, haben die Kinder in der Mitte des Kanus genug Platz, um bei untergelegter Isomatte zu spielen, und der Steuermann hat die Kinder immer im Blick. Sollte man vorher noch nie Kanu gefahren sein, empfiehlt sich ein Blick in ein Kanubuch, um den Steuerschlag zu üben. Damit kommt man mit dem Kanu ordentlich voran.

Bei den Verleihern erhält man eine Karte zum Boot. Diese ist auch erforderlich, reden wir doch von rund 600 km Wasserwegen. Um sicher wieder zurück zu kommen, genügt es, sich an den Namen der Kanäle zu orientieren: Diese sind nämlich - ähnlich der Ortsstraßen - alle mit Namen versehen und auch an den Kreuzungen ausgeschildert. Durch die Vielzahl der Kanäle kommt man eigentlich immer schnell zurück zum „richtigen“ Weg, wenn man sich einmal verpaddelt hat.

Eine konkrete Tour zu empfehlen ist sehr schwer, da jeder andere Dinge sehen möchte. Rund um Lübbenau findet man die alten Dörfer, nördlich bis nordöstlich den Hochwald, im Osten dichteren Wald und landwirtschaftliche Flächen und ganz im östlichen Teil bei Burg den nicht so touristisch geprägten Teil mit kleinen Anwesen und einem Mix aus Wald, Wiesen und Weiden. Jedenfalls kann man im Spreewald genug entdecken, und es lohnt sich schon, mehrere Tage dafür einzuplanen. Neben den Kanälen gibt es ein gut ausgebautes Wegesystem mit Brücken über die Kanäle, so dass man den Spreewald auch zu Fuß oder per Fahrrad erkunden kann.

Ausrüstung


Die Ausrüstung für den Spreewald ist übersichtlich. Bequeme Bekleidung ist wichtig: Gut eignet sich z.B. das Laho Shirt von Tatonka, welches aus Baumwollmischgewebe ist und sowohl bei Sonne als auch kühlerem Wetter den besten Kompromiss darstellt, dazu eine Softshell-Hose, die flexibel ist und schnell trocknet (z.B. Bowles Pants von Tatonka), obendrüber eine Lage Softshell, am besten als Weste, und wenn es dann ganz nass wird, braucht man Regenjacke und -hose (z.B. Coban Jacket und Islington Pants von Tatonka).

Die Bootsverleiher freuen sich immer über sorgsamen Umgang mit ihrem Material, dazu zählt auch, entsprechendes Schuhwerk zu tragen. Ich empfehle einen Schuh von Teva, z.B. einen ultraleichten Mesh-Wassersportschuh, alternativ kann man auch eine Sandale nehmen. Zum Rundumpaket gehört dann noch ein wasserdichter Stausack (z.B. von Tatonka) für die vermeintlich wichtigen Dinge des Lebens, also Handy und Co. (Dem Erzählen nach müssten an jeder Schleuse mindestens zehn Handys klingeln, wenn alle reingefallenen Handys noch klingeln könnten … ) Eine Isolierflasche hält Getränke ja nicht nur warm, sondern an heißen Tagen auch kalt, somit hier auch eine Empfehlung: Hot&Cold Stuff von Tatonka. Ja und zum Schluss: Mückenmittel und Sonnencreme nicht vergessen!
 
Tipps:

Ferienwohnung und Bootsverleih:
www.bootsverleih-duschka.de
Zeltplatz:
www.spreewaldcamping.de/schloss/www.zelten-in-burg-spreewald.de/zeltenamostgraben.php

Anreise:

Der Spreewald liegt am Autobahnkreuz Cottbus/ Berlin/ Dresden, ca. 1 Autostunde von Berlin oder Dresden entfernt. Achtung: In der leider etwas strukturschwachen Region verdienen die Behörden auch Geld mit Geschwindigkeitsmessungen!

Baumtunnel

Kähne liegen bereit

altes Wohnhaus

Blumen an der Brücke

Selbstbedienungsschleuse

Libelle

Los geht's!

Biber

Umgestürzte Pappel