Eine beeindruckende Reise zu den Lakota Sioux nach South Dakota - Teil I

Christoph H., Gewinner des Tatonka Fotowettbewerbs 2016, tauchte zwölf Tage lang tief in die amerikanische Geschichte ein.

Alles sollte eigentlich völlig unscheinbar mit einem Wanderwochenende in Österreich beginnen. Bei genialem Wetter frönte ich meiner Wanderlust, und von der atemberaubenden Panoramalandschaft beeindruckt, wurde ich dazu verleitet, dies auf einem Bild festzuhalten. Ein Jahr später sollte mich dieser festgehaltene Moment durch die Einreichung beim Tatonka Fotowettbewerb 2016 mehrere tausend Kilometer von der Heimat entfernt auf eine eindrucksvolle Reise führen.

Durch die Vielzahl an tollen Einreichungen hatte ich eigentlich keinen Funken Hoffnung, tatsächlich den Hauptpreis einer Reise zu den Lakota Sioux nach South Dakota zu gewinnen, doch die Bildsprache der Aufnahme und deren Inszenierung überzeugten anscheinend doch die Jury, und ein Quäntchen Glück war wahrscheinlich auch mit dabei. So begann für mich einige Wochen später ein Abenteuer mit der Aufgabe meines Trekkingrucksacks am Gepäckschalter des Frankfurter Flughafens.


Tag 1: Über den großen Teich in eine andere Welt

Schon vor Reisebeginn und auch auf dem Langstreckenflug von Frankfurt zum Zwischenstopp in Chicago tauchten jene Fragen und Gedanken wieder auf, was einen bloß in den kommenden Wochen erwarten wird. Ein Großteil meiner Reise würde mich in die Pine Ridge Reservation im Südwesten von South Dakota führen, um einen aktuellen Einblick in das Leben der Lakota Sioux zu bekommen und ein Spendenprojekt näher kennen zu lernen.

Bereits im Vorfeld habe ich mich, soweit es möglich war, mit dem Leben sowie dem geschichtlichen Hintergrund der Lakota Sioux beschäftigt und war gespannt, inwieweit meine Vorstellungen sich mit der Realität decken. Als eigentliche Ureinwohner besiedelten sie durch ihre nomadisch geprägte Lebensweise die großen Prärien Amerikas. Bis zu jener tragischen Periode, in welcher die Verdrängung in Reservate stattfand, in denen ihre Nachkommen teilweise bis heute leben, vereinzelt auch über das Land verstreut, und um das Erbe ihrer Vorfahren und ihre Identität kämpfen.

Am Flughafen in Denver angekommen, traf sich auch die gesamte Reisegruppe, und nach einem kurzen Kennenlernen, setzten wir unsere Reise mit unserem Guide Dirk Rohrbach aufgeteilt auf drei Minivans Richtung Norden weiter fort. Während einem ersten gemeinsamen mexikanischen Abendessen vertieften wir noch unsere Gespräche und erfuhren ein paar Details über den Reiseverlauf der kommenden Tage. Die Strapazen der Anreise und ein paar Bier erledigten das Übrige, und so fielen wir dann doch alle recht schnell hundemüde in die Betten unseres Motels.

2. Tag: Auf den Spuren der Siedler

Am nächsten Morgen ging die Fahrt weiter nordwärts nach Wyoming. Um uns sukzessive der indianischen Geschichte anzunähern, führte uns unser erster Stopp zu einer historischen Sehenswürdigkeit, den Oregon Trails Ruts. Über einen Rundweg spaziert man nahe der heutigen Ortschaft Guernsey eine Anhöhe hoch und oben angekommen, kreuzt man den Oregon Trail, auf welchem die Vielzahl der ersten Siedler mit ihren Planwägen Richtung Westen zogen. Das Besondere an diesem Ort sind jedoch jene Spuren im weichen Sandstein, welche die Siedler durch die Wagenräder und Hufspuren der Zugtiere hinterlassen haben.

Gleich in der Nähe befindet sich auch der Register Cliff, welcher ebenfalls einen markanten Punkt am Oregon Trail darstellt. Gelegen im ursprünglichen Jagdgebiet verschiedener indianischer Stämme, ritzten diese Bildnisse in die von weitem sichtbare Felswand. Emigranten fühlten sich dort ebenfalls dazu veranlasst, ihre Namen, Inschriften oder Initialen zu verewigen, um der persönlichen Bedeutung ihrer beschwerlichen Reise in eine neue bessere Welt Ausdruck zu verleihen. Die Menge an Inschriften der weißen Siedler – mehr als 700 – führte jedoch zu einem Verlust jener Piktogramme der Ureinwohner.

Mehr als 700 Bildnisse und Inschriften amerikanischer Siedler zieren die weiche Sandstein-Felswand des Register Cliff entlang des Oregon Trail.

Im Anschluss ging die Reise weiter zum Fort Laramie – ein wichtiger Außenposten, welcher anfänglich zum Schutz der Siedler errichtet wurde, sich zusehends in weiterer Folge hin zu einem Armeefort entwickelte.
Das historische Gelände lässt sich frei erkunden, und im kleinen Museum kann die geschichtliche Entwicklung detailliert nachgelesen werden.

Vor allem auch jene Zeit, wo genau an jenem historischen Punkt bedeutende Verträge mit den nahe siedelnden Stämmen abgeschlossen wurden. So wurde etwa 1868 jener Vertrag unterzeichnet, welcher den Lakota Sioux die heiligen Black Hills als Reservation zusicherte. Mit dem späteren Auffinden von Gold wurde dieser Vertrag jedoch gebrochen. Einen besonders persönlichen Eindruck über die damalige Lebensweise erhält man durch das Begehen der historischen Gebäude.

In den historischen Gebäuden von Fort Laramie wurden bedeutende Verträge zwischen Siedlern und Indianer-Stämmen, darunter die Lakota Sioux, unterzeichnet.

Am Abend trafen wir bei Dunkelheit und Regen im Fort Robinson State Park in Nebraska ein, um diese und die darauffolgende Nacht in einem historischen Gebäude zu verbringen.

3. Tag: Im Fort Robinson State Park

Der darauffolgende 3. Tag stand uns völlig zur freien Verfügung. Auch dieser geschichtsträchtige Ort lässt sich in Museen und diversen begehbaren Gebäuden detailliert erkunden.
Das Fort an sich liegt inmitten einer atemberaubend schönen Prärielandschaft, wobei diese nördlich von einem sanft ansteigenden, mit Kiefern bewachsenen Bergrücken begrenzt wird.

Während der Hauptsaison lassen sich diverse Outdoor-Aktivitäten unternehmen, bei einem netten Plausch in der Lodge bekam ich aktuelle Infos zum gegenwärtigen Saisonangebot, nützliche Tipps und vor allem die regionale Wanderkarte.

Am frühen Nachmittag zog es mich wie andere auch bei strahlendem Sonnenschein in die nahe Berglandschaft, vorbei an einer beeindruckenden frei laufenden Pferdeherde und ziemlich Respekt einflößenden Longhorns. Entsprechend der Jahreszeit präsentierte sich die Landschaft bereits in den tollsten Herbstfarben, und am Fuße des Wanderwegs zum Bergrücken hoch strich einem der Wind durch die Haare und es roch nach den ätherischen Ölen und Harzen des Kiefernbaumbestands.

Je nach Jahreszeit präsentiert sich die Landschaft entlang des Oregon Trail in wunderschönen Herbstfarben.

Vor Ort standen einem mehrere gut markierte Trails zur Auswahl, welche sich auch großartig kombinieren ließen, wie etwa in meinem Fall entlang des Sheep Trails, dann weiter dem East sowie West Red Cloud Loop folgend und über den Gravel Pit Loop Trail wieder zurück. Auf Klapperschlangen bin ich zwar nicht getroffen, aber sattes Auftreten mit den Schuhen und die Augen vorausschauend offen halten schadet in dieser Gegend nie.

Christoph H., der Gewinner des TATONKA Fotowettbewerbs, genießt die grandios Aussicht auf die wunderschöne Landschaft rund um das Fort Robinson State Park. 

Am nächsten Tag erreicht die Reisegruppe die Pine Ridge Reservation. Was Christoph dort erlebt, erfährst du hier.