Die faszinierende Reise zu den Lakota Sioux – Teil II

Christoph H. durfte als Gewinner des Tatonka Fotowettbewerbs 2016 an einer Spendenreise zu den Lakota Sioux nach South Dakota teilnehmen. Nach den Stationen Oregon Trail Ruts, Fort Laramie und Fort Robinson State Park erreicht die Reisegruppe am vierten Tag die Pine Ridge Reservation.


4. Tag: Henry Red Cloud erzählt

Das Fort Robinson wurde auf dem nahe gelegenen ursprünglichen Gebiet der Red Cloud Agency gegründet, welches den Lakota Sioux und anderen nördlichen indianischen Stämmen zugewiesen wurde. In weiterer Folge kam dieser Örtlichkeit auch eine wesentliche Rolle in den darauffolgenden Sioux Kriegen zu, so wurde etwa der legendäre Sioux Krieger Crazy Horse nach seiner Kapitulation im Fort tödlich verwundet. Am 4. Tag führte uns die Reise daher genau an diese beiden historischen Punkte, und wir sollten in weiterer Folge am frühen Nachmittag unser eigentliches Reiseziel, die Pine Ridge Reservation erreichen.

Historischer Ort - Im September 1877 wurde der legendäre Lakota Sioux Anführer Crazy Horse  im Fort Robinson tödlich verletzt.

Die Reservation liegt in einer kargen Prärielandschaft, und im Gegensatz zur nomadischen Lebensweise ihrer Vorfahren leben die Lakota Sioux heutzutage nicht mehr in Tipis, sondern meist in sogenannten Trailer Homes bzw. Häusern. Oberflächlich betrachtet unterscheidet sich dabei das Leben der Indianer nicht wesentlich von jenem der anderen amerikanischen Bevölkerung.

Fotowettbewerbs-Gewinner Christoph H. errichtet mit seinen Mitreisenden TATONKA Zelte für ihre erste Übernachtung im Pine Ridge Reservation.

Am Grundstück von Henry Red Cloud und seiner Familie, allesamt Nachfahren des gleichnamigen Häuptlings, richteten wir erstmals unser Zeltdorf ein. Henry schilderte uns in einem Monolog seine Sichtweise über das Leben der Menschen in der Reservation und welche Möglichkeiten er sehen würde, damit sich die Lakota Sioux positiv weiter entwickeln könnten. Im Rahmen einer Rundführung am Grundstück zeigte uns Henry seine Projekte des Red Cloud Renewable Energy Centers, welche sich wesentlich mit der Wissensvermittlung von Natives für Natives beschäftigen.

5. Tag: Tipi-Bau und Sprachunterricht

Nach der ersten Nacht im Zelt begann der neue Tag bereits recht früh. Die drei Lakota Tamatane I’atala, Heathen Ducheneaux und Thomas Janis kamen am frühen Morgen zu uns ins Camp, auf ihren Trucks mit dabei hatten sie alle Materialien für den Aufbau der ursprünglichen Zelte. Nach einem kurzen indianischen Gebet erklärten sie uns anschließend beim gemeinsamen Aufstellen des ersten Tipis alle Regeln, Deutungen und Interpretationen, die mit der traditionellen Wohnform einhergehen. Durch den Aufbau eines weiteren Tipis konnten die vorangegangen Anweisungen verinnerlicht werden, und nach kurzer Zeit stand geschickt ein zweites Zelt vor uns.

Während der Spendenreise errichteten die Reisenden auch mehrere traditionelle Tipis.

Heathen und Tommy verließen uns nach einem gemeinsamen Mittagessen, von Tama erhielten wir im Anschluss unseren ersten Sprachunterreicht in Lakota, und als Überraschung sollten wir am Abend in die Red Cloud Indian School, um an dem freiwilligen Erwachsenen-Lakota-Sprachkurs teilzunehmen, wobei dabei der Spaß auch nicht zu kurz kommen sollte.

6. Tag: Eine Sprache wird am Leben erhalten

Nachdem wir uns als Gruppe innerhalb der kurzen Zeit bereits toll in den täglichen Abläufen eingespielt hatten, kam nach dem Frühstück Richard Giago zu uns, und wir sollten von ihm einen Einblick in die farbenprächtige, traditionelle Glasperlen-Handwerkskunst bekommen. Im Rahmen eines Workshops entwarfen wir unser eigenes Muster, begannen mit der Fertigung eines eigenen Ledertäschchens und erkannten doch recht schnell, wie zeitaufwändig diese Arbeit ist.

Am Nachmittag sollten wir das Spendenprojekt der Reise, die ‚Lakota Immersion Childcare‘ in Oglala, durch Matt Rama näher kennen lernen. Es handelt sich dabei um eine Krabbelstube bzw. eine Tagesbetreuungsstätte für Kinder im Alter von 1 ½ bis 5 ½ Jahren, wobei während der Kinderbetreuung ausschließlich Lakota gesprochen wird. Als Ziel wird eine Prägung während der Sprachentwicklungsphase in frühen Kinderjahren verfolgt.
Da das Sprechen der Sprache über mehrere Generationen verboten war, beherrschen meist nur die Stammesältesten diese noch fließend, wobei deren Zahl von Tag zu Tag geringer wird.

Mit Schulbüchern und in Schulstunden erlernen Kinder der Lakota Sioux in der Lakota Immersion Childcare die Sprache ihrer Vorfahren, um diese zu erhalten.

Um diesem kulturellen Verlust entgegen zu wirken, versucht man, über das Unterrichten der Sprache in den Grundschulklassen, die zuvor erwähnten freiwilligen Erwachsenen-Sprachkurse und unter anderem eben auch über die ‚Lakota Immersion Childcare‘ die Sprache am Leben zu erhalten. Mit der Sprache, dem Erkennen und Besinnen auf die eigene Identität, soll Zuversicht in die Gegenwart gebracht werden, da das Leben in der Reservation oft von einer hohen Arbeitslosigkeit, Alkoholismus und Drogenmissbrauch, geringer Lebenserwartung sowie auch teils einem Leben unterhalb der Armutsgrenze bestimmt wird.

Durch die Spendenreise werden für die Kleinkinder die Erstellung und der Druck der Kinderbücher mitfinanziert.
Am Abend fanden wir uns alle rund um die Feuerstelle im Camp ein, um unter freiem Sternenhimmel bei einem wohlig warmen und knisternden Lagerfeuer von einer indianischen Trommlergruppe die Klänge und Gesänge auf uns wirken zu lassen. In Gesprächen bekamen wir zusätzlich einen Einblick in das Leben der Menschen im Reservat.

7. Tag: Unterwegs in den Custer State Park

Am 7. Tag wurden die Zelte am Campground in Pine Ridge zeitig abgebaut, und wir sollten unsere Reise Richtung Black Hills in den Custer State Park fortsetzen. Auf dem Weg dorthin fuhren wir bei Larry Belitz vorbei, welcher unter anderem für Museen und Filmproduktionen, wie etwa ‚Der mit dem Wolf tanzt‘, indianisch traditionelle Replikate herstellt. Larry präsentierte uns eindrucksvolles indianisches Kunsthandwerk und ließ uns an seinem breiten Wissen der indianischen Kulturen teilhaben. Des Weiteren konnte jeder, der wollte, auch seine eigene Rodeo-Praxis verfeinern.

Die Teilnehmer der Spendenreise erhalten Einblicke in indianisches Kunsthandwerk.

Über das nette Städtchen Hot Springs fuhren wir zu den Wind Caves, um uns in aller Kürze jenen Ort anzusehen, an welchem den indianischen Legenden nach die Geburt der Menschheit stattfand.
Weiter ging die Fahrt vorbei an grasenden Büffeln, Antilopen und Rehen über sich dahinschlängelnde Straßen in den beeindruckenden Custer State Park. Bei einsetzender Dunkelheit bauten wir gekonnt die Zelte direkt am Center Lake inmitten eines Kiefernwaldes auf und schliefen darin die Nacht völlig entspannt in unseren Schlafsäcken.

Das Zeltlager am Ufer des Center Lake Sees und inmitten von Kiefernbäumen.

8. Tag: Mount Rushmore, Crazy Horse Mountain und der Harney Peak

Auch diesen Tag begannen wir mit einer genussvollen, morgendlichen Fahrt durch die vielfältige Natur- und Tierlandschaft des Custer State Parks mit dem nächsten Ziel des Mount Rushmore. Bereits bei der Durchfahrt des Scovel Johnson Tunnels erblickt man in der darauffolgenden Linkskurve in der Ferne zwischen den Bäumen das amerikanische Nationalheiligtum.

Vor Ort angekommen, eröffnet sich einem auf der Grand View Terrace ein beeindruckender Blick auf die monumentalen Steinköpfe der vier US-Präsidenten Washington, Lincoln, Jefferson und Roosevelt. Sollte man etwas mehr Zeit für die Besichtigung haben, so kann gerne auch der Presidential Trail begangen werden, um zusätzliche Blicke auf den Mount Rushmore und die umliegende Natur zu erhalten.

In unserem Fall ging es weiter zum Crazy Horse Mountain, einer sich in Arbeit befindlichen, gigantomanischen Steinskulptur des legendärsten Lakota-Kriegers Crazy Horse. Bei einer Busfahrt zum Fuße des Monumentes konnte man sich eine genaue Vorstellung über die zukünftige Dimension dieses Projektes verschaffen.

Blick auf den Crazy Horse Mountain, in den aktuell eine Steinskulptur des legendären Lakota-Kriegers Crazy Horse gehauen wird.

In den Ausstellungsräumlichkeiten vor Ort konnte man viele indianische Exponate bestaunen. Im Anschluss daran setzen wir unsere Reise fort, um am Sylvan Lake die letzten Stunden des Tages zu genießen. Eingebettet in eine mystisch wirkende, herrliche Berg- und Waldlandschaft standen uns dort die nächsten Stunden zur freien Verfügung.

Für mich war es glasklar, als nächstes Ziel hatte ich mir den Harney Peak, die höchste Erhebung Amerikas östlich der Rocky Mountains, gesetzt. Am gut markierten Wanderweg Nr. 9 wandert man durch eine beeindruckende Berglandschaft und trifft dort auf so manch resolutes Streifenhörnchen und in meinem Fall auf viele freundliche Wanderer, wodurch sich immer wieder nette Gespräche ergaben. So erfuhr ich unter anderem, dass der höchste Punkt South Dakotas am 11. August 2016 seinen ursprünglichen Namen Black Elk Peak in Anerkennung der Bedeutung der indianischen Bevölkerung wieder zurückerhalten hat.

Eine beeindruckende Landschaft bekommt man bei der Wanderung rund um den Sylvan Lake zu sehen.

Oben angekommen, kann man den öffentlich zugänglichen Aussichtsturm und die nahe Umgebung erforschen oder einfach nur den Blick in die Ferne schweifen lassen. Zweieinhalb Stunden später war ich wieder im Tal und hatte noch Zeit für einen Spaziergang rund um den bezaubernden Sylvan Lake. Aufgrund der Landschaft konnte ich sehr gut nachvollziehen, warum die Black Hills aus der Sicht der Indianer einen heiligen Ort darstellen.

Aussichtsturm am Harney Peak, der höchsten Erhebung Amerikas östlich der Rocky Mountains. Seit 2006 besitzt der höchste Punkt South Dakotas wieder seinen ursprünglichen Namen, Black Elk Peak.

Den Abend ließen wir dann noch in der Sylvan Lake Lodge bei leckerem Essen und genügend Gesprächsstoff ausklingen.

Christophs Reise ist noch nicht zu Ende! Hier kannst du lesen, wie es weitergeht.