Die faszinierende Reise zu den Lakota Sioux – Teil III

Christoph H. durfte als Gewinner des Tatonka Fotowettbewerbs 2016 an einer Spendenreise zu den Lakota Sioux nach South Dakota teilnehmen. Am neunten Tag der Reise geht es in die Badlands.

Falls du die bisherige Reise von Christoph verpasst haben solltest, kannst du in Teil 1 seines Berichtes die Tage eins bis drei und in Teil 2 die Tage vier bis acht nachlesen.


9. Tag: Staub, Kunst und beeindruckende Wolkenformationen

Am 9. Tag wurden die Zelte frühmorgens am Campground des Center Lakes abgebaut, galt es doch, den alljährlichen Buffalo Round pünktlich zu erreichen. Mehrere tausend Besucher beobachten dabei das Büffeltreiben der frei lebenden Bisons durch die Cowboys im Custer State Park. Über die sanfte Hügelkette stampfte die Herde von 1000 Tieren, welche dabei ordentlich Staub aufwirbelte.

Eine Herde freilaufender Bisons beim Buffalo Round Up in South Dakota. Das Büffeltreiben durch Cowboys besuchen jährlich tausende Besucher.

Für uns ging es danach weiter nach Rapid City, wo es den Großteil der Reisegruppe ins Prairie Edge zog, ich hingegen besorgte mir einen ordentlichen Kaffee und schlenderte durch die Straßen. Durch Zufall entdeckte ich das öffentliche Kunstprojekt ‚Art Alley‘ der lokalen Kunstszene, welches sich zu einer lebendigen Hommage an die freie Meinungsäußerung entwickelt hat.

Nach unserem kurzen Zwischenstopp ging es zum Arrow Camp in Wall, wo die Zelte ruckzuck für die heutige Nacht aufgebaut wurden, um anschließend unsere Reise in die Badlands fortzusetzen. Dort angekommen, ließen wir bei Sonnenuntergang und beindruckenden Wolkenformationen die unbeschreibliche Landschaft auf uns wirken. Die Nacht verbachten wir wieder in unseren Zelten.

10. Tag: „Bury my Heart at Wounded Knee“

Am Abend konnte man die landschaftliche Dimension der bizarren Lehm- und Felsformation nur erahnen. Nachdem die Zelte in den Minivans wieder verstaut waren, ging es zurück in den Badlands National Park. Der erste Stopp war am Big Foot Pass, jenem schmalen Grat, welchen die Gefolgschaft rund um Häuptling Big Foot am 24. Dezember 1890 während ihrer Flucht Richtung Wounded Knee nahm, um den Truppen der United States Army zu entkommen.

Christhoph H., Gewinner des TATONKA Fotowettbewerb auf dem Big Foot Path im Badlands National Park in South Dakota.

Im Anschluss daran wollten wir selber diese surreale Landschaft erkunden und entschieden uns für eine Wanderung entlang des Castle Trails. Unser abendliches Ziel sollte wieder unser vertrautes Camp im Pine Ridge Reservat werden, auf dem Weg dorthin besuchten wir noch Wounded Knee, jenen Ort, an dem das Ende der Indianerkriege so tragisch besiegelte wurde.

11. Tag: Bogenschießen und traditionelles Schwitzen

Die Nacht verbrachten wir im Tipi, die Rauchöffnung über dem Eingang hatten wir dabei geöffnet, so konnten wir vor dem Einschlafen – in unseren Schlafsäcken liegend – in den nächtlichen Sternenhimmel blicken.

An diesem Tag sollten wir Richard Giago direkt bei ihm zu Hause besuchen. Er erklärte uns sehr ausführlich seine persönliche Leidenschaft, den Bogenbau, von der geschichtlichen Tradition bis hin zu sämtlichen Kniffen während der Fertigung. Richard zeigte uns seine mit Liebe zum Detail gefertigten Bögen und Pfeile und schulte uns sogar in der indianischen Schießtechnik.

Traditionelle indianische Bögen und Pfeile.

Auf dem Rückweg stoppten wir noch kurz, um am örtlichen Friedhof mehr über die Geschichte des Häuptlings Red Cloud zu erfahren. Von dort fuhren wir jedoch nicht direkt in unser Camp zurück, denn wir wurden von Tama zu einer traditionellen Schwitzhütten-Zeremonie eingeladen.

Als wir bei Sonnenuntergang bei der Schwitzhütte eintrafen, war Tama I‘atala bereits mit dem Zeremonienleiter Roger White Eyes und dessen Ehefrau vor Ort. Matt und Christina, ebenfalls eine Mitarbeiterin vom ‚Lakota Immersion Childcare‘, kamen später dazu.
Die Schwitzhütte war bereits mit Decken verschlossen, nur der Eingangsbereich war geöffnet, und die Steine für die Zeremonie befanden sich auch bereits im Feuer.

Roger erklärte uns sämtliche mit dieser Zeremonie verbunden Traditionen und Vorstellungen, nach einem Gebet traten zuerst die Frauen und im Anschluss die Männer in die Schwitzhütte ein. Matt und Tama schaufelten die glühende Steinmenge Stein für Stein in die Vertiefung der Schwitzhütte, und Roger bestreute diese mit Kräutern und sprach dazu seine Gebete.

Die Hitze der Steine sowie der entspannende Kräuterduft erzeugten ein wohliges Gefühl. Die Schwitzhütte wurde verschlossen und es folgte eine viergeteilte Zeremonie mit Gebeten, Gesängen und unzähligen Aufgüssen, welche mit dem Überreichen der Chanupa ihr Ende fand. Ich muss gestehen, dass dies kulturell gesehen das wunderschönste und intimste Erlebnis der gesamten Reise war.

12. Tag: Fast schon Abschied

Am Vormittag des 12. Tages kam Richard wieder zu uns ins Camp, und wir vollendeten unsere Glaskugelperlen-Stickereien und bekamen zusätzlich die künstlerisch fachkundige Verarbeitung von Stachelschweinborsten vorgeführt.

Kurz nach Mittag besuchten wir nochmals Matt und die Kinder des ‚Lakota Immersion Childcare‘ Projektes, durften nochmals einen Einblick in den Alltag bekommen und konnten auch mit Mitarbeitern vor Ort über das Programm sprechen.

Den letzten gemeinsamen Abend verbachten wir gemütlich mit unseren Gastgebern am Campground der Pine Ridge Reservation.

Die Reisenden der Spendenreise, darunter auch der Gewinner des TATONKA Fotowettbewerbs Christoph H., verbrachten regelmäßig Zeit in traditionellen indianischen Tipi-Zelten.

13. Tag: Der Kreis schließt sich

Am darauf folgenden Tag bauten wir die Tipis und Zelte ab, verstauten unser Gepäck und verabschiedeten uns von unseren Gastgebern. Wir sollten unsere weite Heimreise antreten, fuhren jedoch nochmals kurz bei Larry Belitz vorbei, der uns noch traditionelle Schmuckstücke von Crazy Horse zeigte. Typisch Larry, versorgte er uns dabei mit unzähligen detaillierten Geschichten und Informationen.

Nach einer mehrstündigen Autofahrt kamen wir wieder an unserem Ausgangspunkt in Denver – jenem Motel, in dem wir unsere erste Nacht verbracht hatten – an. Bei einem leckeren Abendessen und amüsanten Gesprächen ließen wir die Reise nochmals Revue passieren.

Mit der Aufgabe meines Yukon 60 Trekkingrucksackes am Gepäckschalter schloss sich der Kreis. Verbunden durch die gemeinsamen Eindrücke und Erfahrungen der letzten Wochen, trennten sich am Flughafen die Wege der lieb gewonnen Reisegruppe. Mein Yukon 60 war mir auf der Reise stets ein flexibler und treuer Begleiter, und wenn ich ihn mir gerade so beim Verfassen dieses Berichtes ansehe, wären wir beide schon wieder bereit für das nächste Abenteuer.

Alles Liebe, euer Christoph