Bergauf und bergab ein sicherer Begleiter? Wanderstöcke sinnvoll einsetzen

Wanderstöcke sind aus dem Inventar einer Trekkingausrüstung heute kaum noch wegzudenken. Längst sind sie neben sicherem Schuhwerk, einem kompakten Rucksack und wetterfester Kleidung ein fester Bestandteil geworden. In dem vielfältigen Angebot den richtigen Begleiter zu finden, ist nicht ganz einfach. Hier verraten wir dir, worauf du beim Kauf achten musst und für welche Touren sich Wanderstöcke lohnen.

 

Wanderstöcke finden heute vielfältig Einsatz. Ob beim Nordic Walking oder auf längeren Berg- und Trekkingtouren – die Stöcke bieten ihrem Benutzer durch gleichmäßiges Belasten der Arme und Beine Stabilität und Gleichgewicht beim Gehen. Es sind nicht mehr allein die Kniegelenke und die Wirbelsäule, die das Körpergewicht beim Gehen auffangen müssen, vielmehr wird durch die Arme ein großer Teil der Masse verlagert: Um bis zu acht Kilo pro Schritt wird der Körper durch den Gebrauch von Wanderstöcken entlastet. Abnutzungen an den Gelenken sowie Ermüdungserscheinungen im Bewegungsapparat werden durch die gleichmäßige Kräfteverteilung minimiert, so dass im Vergleich zum Wandern ohne Stöcke längere Etappen möglich sind. Bergauf verhelfen die Stöcke dem Wanderer zu mehr Schwung und schnellerem Vorankommen, außerdem fördern sie einen aufrechten Gang und beugen dadurch Rückenschmerzen vor.
 
Doch Wanderstöcke sind kein Patentrezept für jede Wandertour. Kritiker bemängeln vor allem, dass sie im Gelände ein Sicherheitsrisiko darstellen. So kann der Stock bei zu großer oder falscher Belastung brechen, was zum Beispiel Handgelenksbrüche durch Verkantungen zur Folge haben kann. Außerdem hat der Wanderer keine Handfreiheit mehr und muss an schwierig zu passierenden Stellen stehen bleiben, um die Stöcke zu verstauen. Durch ständiges Gehen mit Wanderstock besteht die Gefahr, dass der Gleichgewichtssinn und die Konzentration auf die Strecke nicht mehr trainiert werden.
 
Generell empfiehlt sich der Einsatz von Wanderstöcken vor allem auf schwierigen und langen Touren in unwegsamem Gelände. Beim Bergabgehen schonen Wanderstöcke die Gelenke, auch bei der Überquerung von Flüssen oder auf rutschigen Untergründen bieten sie Halt und Sicherheit. Dennoch ist es ratsam, auch die ein oder andere Tour ohne Stöcke anzugehen. Vor allem auf leichteren, kürzen Strecken kann man sich auf den eigenen Gleichgewichtssinn verlassen und die Freiheit im Gelände genießen.

Den richtigen Wanderstock finden


Beim Kauf eines Wanderstocks gibt es einige Faktoren, die beachtet werden müssen. Zunächst geht es darum, das Material zu bestimmen.

Carbon oder Aluminium?

Inzwischen haben sich zwei Stoffe etabliert: Carbon und Aluminium.  In der Regel bestehen die Teleskopstöcke aus drei Rohren, die ineinander schiebbar und stufenlos verstellbar sind. Carbonfaser ist besonders leicht, was dem Wanderer auf längeren Strecken sehr entgegen kommt. Außerdem dämpft Carbon die Vibration, die beim Aufsetzen auf den Boden entsteht, und schont dadurch die Handgelenke. Allerdings sind sie nicht sehr belastbar und brechen schneller als ihre Kollegen aus Aluminium. Diese sind stabiler und günstiger, dafür aber auch etwas schwerer. Sie brechen nicht, sondern verbiegen sich bei falscher oder zu hoher Belastung, können aber leicht wieder zurück gebogen werden.

Die richtige Länge des Wanderstocks finden

Damit du die optimale Länge für deinen Wanderstock findest, gibt es zwei Faustregeln. Die erste ist die mathematische. Sie dient dazu, das große Angebot an Stöcken vorzusortieren und die Auswahlmöglichkeiten einzuschränken. Die einfache Formel zur Berechnung der Länge deines Stocks lautet: Körpergröße x 0,7 = Stocklänge. Nachdem du so die passende Länge gefunden hast, kannst du den Stock noch individuell an deine Größe anpassen. Die Stocklänge ist dann genau auf dich abgestimmt, wenn sich auf flachem Untergrund zwischen Ober- und Unterarm ein 90°-Winkel bildet. Beim Wandern im Gelände musst du darauf achten, dass du die Stöcke beim Bergaufgehen verkürzt und beim Bergabgehen verlängerst, damit der Winkel erhalten bleibt.

Klemmsystem oder Drehverschluss?

Um das Teleskoprohr zu fixieren und die Länge zu verstellen, gibt es dreiunterschiedliche Mechanismen: Außenklemmsyteme, Drehverschlüsse oder Faltsysteme. Hier haben sich die Klemmsysteme bewährt, da sie sehr flexibel und belastbar sind. Man kann die Länge der Stöcke schnell über einen Hebel an der Außenseite ändern und braucht dafür kaum Kraft. Auch mit Handschuhen ist das Verstellen kein Problem. Wanderstöcke mit Drehverschluss hingegen sind zwar leichter und kompakter, die Abnutzungserscheinungen sind aber deutlich höher. So rutschen die Rohre bei zu starker Belastung zum Beispiel schneller durch. Neu auf dem Markt sind Stöcke, deren Rohrsegmente per Hand wie Akkordeon gefaltet werden können. Sie sind zwar klein und kompakt, dafür aber nicht so belastbar und flexibel bei der Längeneinstellung.

Dämpfung und Griffe

Eine Dämpfung der Stöcke ist nur dann sinnvoll, wenn auf sehr hartem Untergrund gewandert wird. Das Körpergewicht wird zusätzlich abgefedert, wodurch Handgelenke, Ellenbogen und Schultern geschont werden. Auf „normalem“ Grund aber geben die gedämpften Stöcke bei starker Belastung leichter nach, was vor allem im steilen Gelände ein höheres Risiko birgt.
Die Griffe deines Wanderstocks sollten unbedingt aus Kork oder EVA-Schaum sein. Sie bieten im Vergleich zu Plastikgriffen eine höhere Rutschsicherheit und schützen vor Blasen an den Händen. Bei Touren im Sommer sind Griffe aus Kork von Vorteil, da sie die Schweißbildung reduzieren und so für ein angenehmes Griffgefühl sorgen. Für die anderen Jahreszeiten ist EVA-Schaum das beste Material, er ist sehr leicht, griffig und rutschfest. Generell sollte jeder Griff mit Handschlaufen versehen sein. Sie sichern den Wanderer und gewährleisten eine optimale Kraftübertragung vom Arm zum Stock.

Pflege der Trekkingstöcke

Ist der passende Stock gefunden, hilft die richtige Pflege dabei, seine Lebensdauer zu verlängern. Wenn dich auf der Tour der Regen überrascht hat oder du einen Fluss durchquert hast, empfiehlt es sich, den Stock auseinander zu nehmen und die einzelnen Segmente getrennt trocknen zu lassen, um Korrosion vorzubeugen. Das ist vor allem bei Aluminium-Stöcken sehr wichtig. Nach einiger Zeit kann es passieren, dass sich die einzelnen Stocksegmente schwer ineinander schieben lassen. Eine Reinigung mit Waschbenzin schafft schnell Abhilfe, auf keinen Fall sollte aber mit Öl oder Fett geschmiert werden, weil die Haltekraft des Klemmsystems dadurch sehr beeinträchtigt wird.

 

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